Wie die USA ihre 250-jährige Freiheit feiern

Politik

Riesige Feuerwerke, überbordende Paraden und Patriotismus überall. Wenn die US-Amerikaner am 4. Juli ihren Unabhängigkeitstag feiern, kennen sie keine Zurückhaltung. In allen Städten wird gefeiert, Picknicks der ganzen Familie und Barbecues gehören immer dazu: 

Auf Washingtons „National Mall“, dem Freiluft-Empfangssaal der Nation zwischen Lincoln Memorial und Obelisk, will US-Präsident Donald Trump eine „große Rede“ halten. Direkt vor dem größten, längsten und teuersten Feuerwerk aller Zeiten. Die Pyro-Show wird, wenn nicht Gewitterstürme alles verhageln, ein Highlight werden.

Der 4. Juli in Amerika, das ist das säkulare Hochamt der Nation. Keine Krone, keine Dynastie; nur ein Blatt Papier, die Unabhängigkeitserklärung, 56 Unterschriften und ein Satz über Gleichheit, den das Land seither regelmäßig verrät und doch immer wieder neu einzulösen versucht. Dieser Feiertag lebt konstitutionell von der Einsicht, dass Macht nur geliehen ist. Dass dieses Land größer ist als jeder Einzelne. Größer auch als der mit temporärem Aufenthaltsrecht ausgestattete Mann im Weißen Haus.

George Washington nannte sich in seinem Testament nicht ohne Grund „Bürger der Vereinigten Staaten und zuletzt Präsident derselben“. Bürger zuerst, Präsident zuletzt. In Donald Trumps Welt ist das die falsche Reihenfolge. Für ihn kann nur einen geben – Donald Trump.

Wer vorempfinden wollte, wie  die Vereinigten Staaten Ende dieser  Woche feiern, musste nur den Auftakt der „Great American State Fair“ miterleben. Eigentlich sollte die Schau ein weltweit beachtetes Fest der reichhaltigen und quicklebendigen Kultur werden, die die 50 Bundesstaaten samt Territorien zu bieten haben.

Billige Kulissen

Stattdessen wird den Besuchern ein zeitweilig defektes Riesenrad neben einer uninspirierten Ansammlung von Pavillons vorgesetzt, über die die Washington Post schreibt: „Stattdessen ist alles in eine künstliche Agora mit dorischen Säulen und gewölbten Nischen gezwängt, die auf billige Theaterkulissen gemalt sind – sie sehen aus, als hätte jemand die Fototapeten aus einem schäbigen griechischen Imbiss, der Gyros, Moussaka und kalorienreiche Pastitsio-Platten verkauft, vergrößert.“

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Zur Eröffnung erschien Trump hinter Panzerglas. Seine Rede war kurz, aber sie genügte als Warnung. Ein paar Sätze über die Gründerväter, ein wenig Geschichtsornament, dann der Griff ins Vertraute: Transgender, Männer im Frauensport, Inklusion, Critical Race Theory – kein Reizwort aus dem Wahlkampfkoffer fehlte.  Darüber hinaus: Beschwerde, Kulturkampf und Eigenlob. Amerika sei wieder da. Alles sei stärker, schöner, sicherer, respektierter. Weil er es so gemacht habe.

Etliche Künstler hatten im Vorfeld aus Trump-Verdruss abgesagt. Sieben demokratisch regierte Bundesstaaten blieben gleich ganz fern. 

Dabei wäre dieser historische Geburtstag der einfachste Stoff der Welt. Ein Präsident könnte sagen: Dieses Land ist älter, tiefer, widersprüchlicher und hoffnungsvoller als jeder einzelne seiner Bewohner. Er müsste an Revolution und Sklaverei erinnern, an den Bürgerkrieg und die Bürgerrechte, an den Segen der Einwanderer, an Arbeiter, Soldaten, Lehrer, an all jene, die Amerika nicht besaßen, sondern erweiterten. Er müsste den Bürgern danken und seinen Gegnern Luft lassen. Kurzum: Er müsste einen Abend lang kleiner werden als sein Amt.

Nichts spricht dafür, dass Donald Trump sich am Wochenende staatsmännischer verhalten wird. Sicher aber ist: Das Feuerwerk dürfte trotzdem überwältigend werden. Kinder werden staunen, Veteranen salutieren. Der Himmel über Washington wird glühen, als ließen sich 250 Jahre Widerspruch in Gold und Rauch auflösen.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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