
Beim NATO-Gipfel in Ankara gehe es derzeit auch darum, US-Präsident Donald Trump zufriedenzustellen. Das sagte der Militärexperte Gustav Gressel von der Landesverteidigungsakademie am Dienstag in der „ZiB2“. „Das ist in der Tat so“, erklärte er. Viel von der Inszenierung diene dazu, Trump „bei Laune zu halten“.
Trump denke vor allem innenpolitisch, sagte Gressel. Die deutsche Außenpolitik-Expertin Claudia Major habe recht mit der Einschätzung: „Das Beste, was man gewinnen kann, wäre Zeit.“
NATO 3.0 und Europa
Mit Blick auf eine neue „NATO 3.0“ sagte Gressel, Europa könne mittelfristig unabhängiger von den USA werden. Der Ukraine-Krieg zeige, „dass man mit wenig Budget und mit einfachen Mitteln sich verteidigen kann“. Gleichzeitig gebe es aber Konflikte über Zuständigkeiten und militärische Fähigkeiten innerhalb des Bündnisses.
Die Europäer müssten bei einer möglichen Eskalation mit Russland auch strategisch unabhängiger werden. Die amerikanische Position widerspreche sich dabei teilweise selbst, meinte Gressel.
Kritik an Europas Rüstung
Deutlich kritisierte der Experte die europäische Rüstungsbeschaffung. Das System sei durch nationale Interessen zersplittert. „Es ist völlig absurd“, sagte Gressel über unterschiedliche Varianten gleicher Panzermodelle in Europa. Das führe im Ernstfall zu Problemen bei Wartung und Ersatzteilen.
Zugleich habe sich die Kriegsführung durch Drohnen massiv verändert. Viele Streitkräfte würden aber weiter nach alten Mustern planen. „Der Denkprozess, der ist noch lange nicht abgeschlossen“, sagte Gressel.
Bei neuen NATO-Rüstungsprojekten würden zudem nicht nur US-Konzerne profitieren. Genannt wurden unter anderem europäische Projekte mit Airbus, Saab und Thyssenkrupp.
Source:: Kurier.at – Politik



