Spitalsmanager Michael Heinisch: „Irgendwann wird jeder krank“

Politik

Er arbeitet „nicht am Bett“, versteht sich aber als Praktiker: Michael Heinisch im Podcast-Interview über Gastpatienten und Wunderkerzen.

KURIER: Was macht die Vinzenz Gruppe?

Michael Heinisch: Die Vinzenz Gruppe ist eine Krankenhaus- und Gesundheitsholding, zur der mehrere Krankenhäuser, Pflegeheime und Rehabilitationseinrichtungen gehören. Unser Grundprinzip ist die Gemeinnützigkeit. Das heißt: Das, was wir tun, tun wir nicht, um jemandem Dividenden auszuschütten, sondern aus unserem Auftrag heraus. Unser Auftrag hat eine lange Geschichte. Er begann 1832 in Wien. Da wurde unser erstes Krankenhaus von den Barmherzigen Schwestern gegründet. Diesen Auftrag spüren wir heute noch im Alltag.

Woran machen Sie das fest?

In der Gesundheitsversorgung macht jeder einen guten Job und hat Herausforderungen, um die er sich kümmern muss. Wir investieren sehr viel in Personalentwicklung und haben in unseren Einrichtungen gerade in Wien eine Besonderheit: Wir haben eher kleinere Strukturen und finden diese gut, weil sie eine ganz andere Nähe zu den Patienten fördern und hohe Qualität bieten. Das haben wir in Wien geschafft, indem wir unsere fünf Spitäler auf gewisse Krankheitsbilder ausgerichtet haben. Das heißt: Wir machen nicht alles je Krankenhaus, sondern die Dinge, die wir tun, mit hoher Qualität, weil mit hohen Fallzahlen. Über alle Spitäler haben wir mehr oder weniger alle Indikationen, die man für die Gesundheitsversorgung eines Menschen braucht.

Welche Rolle spielt der Glaube in Ihren Einrichtungen?

Bei uns ist es nicht anders als in anderen Krankenhäusern: Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen aus allen Religionsgemeinschaften. Bei uns ist einfach dieser menschliche Auftrag so wichtig: Der Auftrag, für die Menschen da zu sein, ihnen Zuwendung und Respekt zu geben, wenn sie krank sind.

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Bund, Länder und Gemeinden wollen das Gesundheitssystem neu aufstellen. Wie zufrieden sind Sie mit dem, was bisher bekannt ist?

Die entscheidende Frage ist, wie sehr man mit dem Gesundheitswesen per se zufrieden ist. Und da sehe ich eine Ambivalenz. Wenn man sich die einzelnen Sektoren anschaut – niedergelassener Bereich, Fachärzte, Krankenhäuser, Reha – dann sind diese von ausgezeichneter Qualität. Das sage ich nicht aus dem Bauch heraus, sondern weil OECD-Studien uns das bescheinigen. Andererseits gibt es Umfragen, die besagen, dass der Anteil der Menschen, die von sich aus sagen, einen guten Gesundheitszustand zu haben, seit 2013 von 80 auf 69 Prozent gesunken ist. Wie passt das zusammen?

Wie lässt sich das auflösen?

Die meisten Menschen sind länger gesund als krank, aber es gibt beide Phasen. Gesundheit ist ein hochkomplexer, dynamischer Prozess und nicht stabil. Fix ist, dass keine einzelne Institution, kein Akteur, kein einzelner Arzt diese komplexe Situation von Gesundheit und Krankheit alleine bewältigen kann. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit der Kooperation, dass die Sektoren miteinander arbeiten. Es gibt viele multimorbide (von mehreren chronischen Leiden gleichzeitig betroffen, Anm.) Menschen. Vor allem die alternde Bevölkerung wird immer multimorbider. Ab 60 Jahren merken Sie da einen richtigen Unterschied!

Warum ist dieser ganzheitliche Ansatz so schwer umzusetzen?

Dem Menschen selbst ist bewusst, dass man miteinander mehr erreicht, als wenn jeder alleine geht. Aber die Systemlogik ist eine andere. Wir reden vom freien Willen des Menschen, aber manchmal scheint die Systemlogik stärker. Konkret: Wir haben das Gesundheitswesen nicht nur in Sektoren geteilt, sondern …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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