Klimakrise als Budgetrisiko: WU-Ökonomin warnt vor Kosten des Nichthandelns

Politik

Der Klimawandel ist längst kein rein ökologisches Problem mehr, sondern entwickelt sich zu einer handfesten Bedrohung für die Stabilität der österreichischen Staatsfinanzen. Zu diesem Schluss kommt eine Analyse der WU Wien-Ökonomin Sigrid Stagl im Auftrag der Umwelt-NGO WWF.

Die Studie identifiziert mehrere Kanäle, über die sich Klimarisiken auf das Budget auswirken. Extremwetterereignisse wie das Hochwasser vom Herbst 2024 verursachen direkte Schäden an Infrastruktur und privatem Kapital und zwingen den Staat zu Mehrausgaben für Wiederaufbau und Katastrophenhilfe. Gleichzeitig schwächen Produktionsausfälle die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und damit die Steuerbasis. Stagl bezeichnet diesen Zusammenhang als „Climate-Sovereign Nexus“ – die wechselseitige Verflechtung zwischen Klimaschäden, Staatsverschuldung und Refinanzierungskosten.

Klimainflation, Fossilinflation, Greeninflation

Hinzu kommen drei Inflationstypen, die makroökonomische Stabilität gefährden: sogenannte Klimainflation durch wetterbedingte Ernteschäden, Fossilflation durch die Abhängigkeit von importierten Energieträgern sowie Greenflation durch den erhöhten Rohstoffbedarf im Zuge der Transformation. 

Finanzmärkte beginnen laut der Analyse zudem, diese Risiken bei der Bewertung staatlicher Kreditwürdigkeit einzupreisen – mit möglichen Folgen für die Refinanzierungskosten des Staates.

„Aus ökonomischer Sicht sind die Kosten des Nichthandelns erheblich“, sagt Stagl. „Klimabedingte Schäden, fossile Preisschocks und steigende Anpassungskosten belasten Unternehmen, Haushalte und öffentliche Finanzen. Investitionen in Klimaschutz und Anpassung erhöhen dagegen die wirtschaftliche Resilienz und reduzieren langfristige Budgetrisiken.“ 

Die Studie betont aber auch die andere Seite der Gleichung, was alles sehr wohl möglich wäre: Investitionen in erneuerbare Energien etwa entfalten hohe Multiplikatoreffekte, reduzieren die Abhängigkeit von volatilen Energieimporten und können langfristig die Risikoprämien auf Staatsanleihen senken. Ähnliches gilt für das Ernährungssystem, wo externe Kosten – etwa für Gesundheitsversorgung, Wasseraufbereitung oder Klimaschäden – derzeit nicht in Marktpreisen abgebildet und stattdessen von der öffentlichen Hand getragen werden.

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Für die Fiskalpolitik leitet Stagl daraus eine klare Handlungslogik ab: Neben gezielten Investitionen brauche es vor allem eine Reform bestehender Förder- und Anreizstrukturen sowie verlässliche ordnungspolitische Rahmenbedingungen. Regulierung und öffentliche Beschaffung könnten strukturelle Wirkungen entfalten, ohne den Budgetrahmen wesentlich auszuweiten. 

Verschulden im Sinne der nächsten Generation?

Zur Frage der Staatsverschuldung nimmt die Studienautorin eine differenzierte Position ein: Schulden für langfristig wirksame Klimaschutzinvestitionen seien unter Umständen intergenerativ gerecht, weil künftige Generationen von vermiedenen Schäden profitieren.

„Das Doppelbudget muss die Klimakrise als wirtschaftliche Realität anerkennen. Die eigentliche Budgetfrage lautet nicht, wie viel Klimaschutz kostet, sondern wie teuer fehlende Vorsorge wird. Hochwasser, Dürren und andere Extremereignisse belasten das Budget bereits heute massiv und die Folgekosten werden weiter steigen“, kommentiert WWF-Klimasprecherin Viktoria Auer. 

Der WWF fordert deshalb den Abbau umweltschädlicher Subventionen in Milliardenhöhe sowie eine stärkere Verankerung von Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen im Doppelbudget. Dazu zählen zum Beispiel Investitionen in Energieeffizienz oder Renaturierungsmaßnahmen

Die Veröffentlichung dieser Studie wenige Tage vor der Budgetrede von Finanzminister Markus Marterbauer fällt in eine politisch sensible Phase – die zentrale These der Studie lautet, dass sich dabei die eigentliche Budgetfrage verschiebt – weg von den Kosten des Klimaschutzes, hin zu den Kosten des Nichthandelns.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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