
Der Tod kam völlig unerwartet: Izz al-Din al-Haddad, 55-jähriger Militärchef der Terrormiliz Hamas, saß mit seiner Frau und Tochter in einer Wohnung im Gazastreifen, als vor knapp einer Woche die Bombe einschlug. Haddad galt als einer der Architekten des Terrorangriffs vom 7. Oktober 2023. „Er hat unsere Geiseln in brutaler Gefangenschaft gehalten, hat Terroranschläge auf unsere Streitkräfte organisiert und sich geweigert…. eine Entwaffnung der Hamas und eine Entmilitarisierung des Gazastreifens umzusetzen“, meldete danach Israels Verteidigungsministerium.
Und der israelische Militärchef Eyal Zamir setzte nach: „Die israelischen Streitkräfte werden unsere Feinde weiterhin verfolgen, sie angreifen und jeden, der an dem Massaker vom 7. Oktober beteiligt war, zur Rechenschaft ziehen.“
Schon bald nach dem Tag des größten Terrors in der Geschichte des Landes, an dem 1.220 Menschen in Israel getötet und 251 nach Gaza verschleppt worden waren, gründete Israel die Spezialeinheit NILI. Ihr Ziel: Jene Terroristen aufzuspüren und zu töten, die an der Ermordung von Israelis beteiligt waren. Eine Art Rachekommando, wie es nach den Terroranschlägen bei den Olympischen Spielen 1972 aktiv geworden war.
Vollzugsergebnis auf X gepostet
Hunderte Terroristen wurden seither ausgeschaltet. Die Zahl könnte auch viel höher sein, zumal Israel nur bei den bekanntesten Mördern oder Entführern „Vollzugserlebnisse“ auf X postet: wie etwa bei jenen Männern, die die 26-jährige Noa Argamani auf ihr Motorrad zwangen und sie vom Nova Festival entführten. 245 Tage blieb die junge Frau in Gefangenschaft im Gazastreifen.
Nach ihrer Freilassung spürten Geheimdienstmitarbeiter die Terroristen im Vorjahr auf und töteten sie, zusammen mit sechs weiteren Terroristen, bei mehreren Luftschlägen.
Kein Beteiligter werde als zu unwichtig eingestuft, berichtete das Wall Street Journal nach intensiven Recherchen bei israelischen Geheimdienstmitarbeitern. Nicht einmal jener Mann, der am 7. Oktober mit einem Traktor den Grenzzaun zu Israel durchbrach. Knapp zwei Jahre danach war der Traktorfahrer dank Gesichtserkennung identifiziert und geortet und bei einem Luftangriff getötet worden, als er auf einer Straße im Gazastreifen zu Fuß unterwegs war.
Durch Posting aufgespürt
Die Falle, die sich unzählige Terroristen selbst gestellt haben, waren ihre Videos. Viele filmten sich selbst, als sie Menschen massakrierten oder entführten, andere riefen ihre Verwandten daheim in Gaza an, um triumphierend von ihrem Terrorüberfall zu berichten. Mit modernster Technologie wurden seither Zigtausende Daten ausgearbeitet, Spuren in den Sozialen Medien verfolgt, Gesichtserkennung und andere Künstliche Intelligenz angewendet. Gibt es zumindest zwei Mal Bestätigung, dass es sich um eine gesuchte Person handelt, wird sie lokalisiert. Dann kommt der Auftrag an die israelische Luftwaffe: zuschlagen.
Der aktuell seit Oktober geltende Waffenstillstand in Gaza spielt dabei keine Rolle: Israel gibt an, Ziele zu töten, die angeblich eine Bedrohung darstellen.
In den vergangenen Wochen wurde die Zahl der Geheimdienstmitarbeiter für die spezielle Truppe angeblich stark verkleinert. NILI ist ein hebräisches Akronym und bedeutet „Der Ewige Israels lügt nicht“. Der Name war erstmals von einer Gruppe jüdischer Spione im Ersten Weltkrieg verwendet worden. Er sollte schon damals verdeutlichen, dass niemand vergessen würde.
„Es wird Zeit brauchen, genau wie nach München“, sagte Mossad-Direktor David Barnea vor zwei Jahren. „Aber wir werden sie erreichen, wo immer sie auch sein mögen.“ Widerstand gegen die Vorgangsweise der Spezialeinheit, die Verdächtige gleich gar nicht …read more
Source:: Kurier.at – Politik



