
Seit mehr als zwei Monaten ist die Straße von Hormus nun bereits gesperrt. Auf den Energiemärkten hat das zu gewaltigen Turbulenzen geführt: Weltweit fehlen inzwischen rund eine Milliarde Barrel Öl (je 159 Liter), schätzte der saudi-arabische Ölkonzern Saudi Aramco am Wochenende.
Besonders hart trifft die Krise Indien. Das bevölkerungsreichste Land der Welt ist zugleich der drittgrößte Ölimporteur überhaupt: 90 Prozent seines Ölbedarfs und 60 Prozent seines Bedarfs an Flüssiggas (LPG), das vor allem zum Kochen verwendet wird, deckt Indien traditionell durch Einfuhren ab – zu einem Großteil durch die derzeit blockierte Meerenge.
Premierminister Narendra Modi, dessen hindu-nationalistische BJP zuletzt wichtige Regionalwahlsiege feierte, schwört die Bevölkerung deswegen auf ein hartes Jahr ein: Benzin- und Dieselverbrauch müssten dringend sinken, sagte er in einer Rede am Montag. Daher nun die Devise: Öffis nutzen, Fahrgemeinschaften bilden, verstärkt auf Elektrofahrzeuge setzen.
Arbeitnehmer sollen mehr zu Hause arbeiten, Videokonferenzen statt Dienstreisen abhalten. Landwirte wiederum sollen den Einsatz chemischer Düngemittel halbieren und stärker auf natürliche Anbaumethoden setzen. Die Hormus-Blockade hat schließlich auch eine schwere Düngerkrise ausgelöst.
Modi: Patrioten sparen Öl
Der Sparkurs geht aber weit darüber hinaus: Bereits am Sonntag appellierte Modi in seiner bisher eindringlichsten Rede seit Kriegsbeginn an die Bevölkerung, auch ihren Ernährungsplan künftig anzupassen, konkret: 10 Prozent weniger Öl beim Kochen zu verwenden. „Wenn jeder Haushalt seinen Verbrauch an Speiseöl reduziert, ist das ein großer Beitrag zum Vaterland.“
Außerdem sollen Reisen außerhalb des Landes für mindestens ein Jahr ausgesetzt werden. Es gebe „viele Orte in Indien, die einen Besuch wert sind“. Das betreffe auch Hochzeiten im Ausland. Die Inder werden zudem angehalten, Goldkäufe ein Jahr lang aufzuschieben. Das Edelmetall wird auf dem Subkontinent traditionell in großen Mengen für Hochzeiten erworben und größtenteils importiert. Ziel ist, Devisenreserven zu schützen und den Druck auf die angeschlagene Landeswährung zu mindern, die gegenüber dem US-Dollar zuletzt stark verloren hat.
Arbeiter ziehen in Heimatdörfer zurück
Trotz der angespannten Lage gehört Indien zu den wenigen Ländern der Region, die bislang weder Treibstoff rationiert noch die Preise an Tankstellen drastisch erhöht haben. Die Verluste werden vorerst von staatlichen Ölkonzernen getragen. Dennoch spüren die Menschen die Folgen des Krieges massiv. Etwa bei steigenden Lebensmittelpreisen und dem bereits sehr wohl verteuertem Kochgas.
Das hat auch gravierende soziale Folgen: Viele Fabrikarbeiter, die schon vor Kriegsausbruch kaum über die Runden kamen, verlassen derzeit die Städte und kehren in ihre Dörfer zurück, wo Lebenshaltungskosten niedriger sind und staatliche Hilfen greifen. Genaue Zahlen gibt es zwar nicht. Eine Arbeitsrechtsaktivistin schätzt in der Financial Times allerdings, dass die Zahl der Abwandernden „in die Hunderttausenden“ gehe.
Source:: Kurier.at – Politik



