Adrian Mannarino: Der Mann mit dem Fliegenfänger-Schläger

Sport

Adrian Mannarino ist keiner, der im Tennis etwas beweisen muss, indem er möglichst hart auf den Ball schlägt. Der Franzose verlässt sich lieber auf sein Gefühl. Das gilt für seine Schläge ebenso wie für die Bespannung seines Rackets. Während viele Profis ihre Schläger mit 20 bis 30 Kilogramm bespannen lassen, spielt Mannarino mit einer Spannung, bei der selbst erfahrene Besaiter zweimal hinschauen müssen.

Bei den Erste Bank Open in Wien ist der 38-Jährige wieder für eine Überraschung gut. Der Linkshänder hat sich durch die Qualifikation gekämpft und steht nach einem 6:4, 7:5 gegen den aufsteigenden tschechischen Jungstar Jakub Mensik im Viertelfinale. Damit beweist der zweitälteste Spieler in den Top 100 der ATP-Weltrangliste, dass er noch immer mit den deutlich jüngeren Gegnern mithalten kann. Nur Novak Djokovic ist noch älter.

Das ungewöhnlichste Detail an Mannarinos Spiel steckt in seinem Schläger. Seine Saiten lässt er normalerweise mit rund neun bis elf Kilogramm bespannen – in 200- bis 400-Gramm-Schritten. In einem Davis-Cup-Spiel ging er sogar auf acht Kilogramm hinunter. „Das klingt wie ein Fischernetz“, scherzte Mannarino in einem Interview mit dem Magazin Tennis Majors über das Geräusch seiner lockeren Bespannung. „Das ist einfach das, was für mein Spiel am besten funktioniert.“

Die weichen Saiten geben dem Ball einen stärkeren Trampolineffekt. Er kann schneller vom Schläger springen, allerdings ist es auch schwieriger, die Kontrolle zu behalten. Mannarino hat gelernt, damit umzugehen. Wenn er die Spannung erhöht, fehlt ihm nach eigener Aussage das Vertrauen in seine Schläge. Ausgehend von rund 23 Kilogramm hat er die Bespannung über Jahre hinweg schrittweise reduziert.

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Unorthodoxe Bewegungen

Auch sein Schwung passt nicht in die moderne Tenniswelt. Während viele Spieler mit langen Ausholbewegungen und maximalem Topspin Druck machen, spielt Mannarino die Bälle flach, früh und oft überraschend unspektakulär. Seine Schläge wirken manchmal fast beiläufig. Doch gerade das macht sie unangenehm: Der Ball springt niedrig ab, das Tempo lässt sich schwer einschätzen, und der Gegner bekommt selten Rhythmus.

Mannarinos erfolgreichste Saison war 2023: Er gewann drei ATP-Turniere, feierte 43 Matchsiege und erreichte im Jänner 2024 mit Platz 17 seine bisher beste Weltranglistenposition. Mit 35 Jahren wurde er damals zum ältesten Spieler, der erstmals die Top 20 erreichte.

Nach einer Knieverletzung, die ihn 2021 bei Wimbledon gegen Roger Federer zur Aufgabe zwang, musste er sich zurückkämpfen. Später rutschte er zwischenzeitlich bis auf Rang 145 ab. Doch der Franzose fand wieder Anschluss. Bei den US Open 2025 erreichte er mit einem Sensationssieg gegen US-Hoffnung Ben Shelton das Achtelfinale des Grand-Slam-Turniers.

Mannarino pflegt auch in der Vorbereitung auf ein Spiel seine Eigenheiten. Er möchte am liebsten gar nicht wissen, gegen wen er spielt. Die Identität des Gegners soll ihn nicht beschäftigen, bevor er auf den Platz kommt. Eine ungewöhnliche Haltung in einem Sport, in dem Trainer und Spieler stundenlang Videoaufnahmen analysieren und taktische Pläne entwickeln, wie der Gegner am ehesten zu besiegen ist.

„Das ist Bullshit“

„Viele Spieler wollen etwa vor einem Spiel gegen einen Linkshänder mit einem Linkshänder trainieren. Ich glaube, das ist Bullshit.“ Besonders geärgert habe ihn ein Fan bei den Australian Open, der ihm viel Glück gegen Novak Djokovic wünschte.

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Source:: Kurier.at – Sport

      

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