
Ja, es stimmt, vieles ist in Österreichs Wirtschaftspolitik in den vergangenen Jahren falsch gelaufen. Nicht von ungefähr steht das Land daher im internationalen Wettbewerbsranking auf dem schlechten 29. Platz. Zu hohe Steuerbelastungen, viel Bürokratie und ein damit verbundenes Gold Plating von ohnehin schon teils überzogenen EU-Standards, teure, aber ineffektive Bildungs- und Gesundheitssysteme sowie viel zu hohe Pensionsausgaben und ein aus der Zeit gefallener Föderalismus lassen den Staat alt ausschauen.
Kurzum: Die politischen Rahmenbedingungen im Land sind alles andere als gut, um Österreichs Unternehmen Spielraum für Investitionen und Expansion zu geben. Im Gegenteil: gepaart mit internationalen Krisen ergibt dies eine Gemengelage, die dazu führt, dass in- und ausländischen Unternehmen dem Land den Rücken kehren. Die jüngsten Beispiele: Der belgische Tiefkühlgemüsehersteller Ardo schließt sein Werk, der oberösterreichische Sportmodenhersteller Eisbär verlagert die Produktion nach Polen und die Lufthansa droht ihrer Tochter AUA, keine weiteren neuen Langstreckenflieger nach Wien zu stellen. Allen dreien gemeinsam: Die Umstände im Land.
Reformer contra Bremser
Aber die gute Nachricht: Zumindest Teile der Bundesregierung haben endlich den Ernst der Lage erkannt. Allen voran Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer. Er kennt die Probleme der Unternehmen – auch schon aus seinem Heimatbundesland Oberösterreich – und versucht gegenzusteuern. Zu einem nachhaltigen Erfolg gehören in diesem Fall aber drei, nämlich ebenso die Koalitionspartner. Hier tritt die SPÖ wiederholt als Bremser auf, die lieber weiterhin auf noch höhere Steuern setzt, als die europaweit fast schon einzigartig hohe Abgabenquote endlich zu senken.
Doch genug gejammert! Die Unternehmen können nur das Beste aus der Situation machen. Innovativ und kreativ werden bzw. bleiben, selbst Strukturen im eigenen Haus reformieren und neue Finanzierungsformen finden, um zusätzliche Geschäftsfelder oder Auslandsmärkte zu erschließen. Und wer sich als attraktiver Arbeitgeber gibt, der findet auch die nötigen Fachkräfte.
Ein weiteres Asset, das für den Standort Österreich spricht, ist die Sicherheit und Lebensqualität im Land. Angesichts der jüngsten Ausschreitungen in Frankreich und anderen Ländern Europas ist das soziale Gefüge hierzulande (noch) gegeben. Wenn vielleicht auch teuer erkauft. Trotz der anstehenden und nötigen Sozialreformen werden aber auch künftig die Menschen nicht in Massen auf der Straße leben müssen.
Kurzum: Österreich hat wunderbare Unternehmen mit risikofreudigen Eigentümern und engagierten Mitarbeitern. Wenn nun noch die Politik der Wirtschaft wieder das Leben erleichtert, sollte einem Comeback des Standortes nichts mehr im Wege stehen.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



