
Wien werde heuer bis zu zwei Millionen Flugpassagiere verlieren, warnt Hanke. Der SPÖ-Politiker outet sich im Gespräch mit dem KURIER als sehr wirtschaftsnahe und betont wettbewerbsorientiert.
KURIER: „Sie haben die größte Bahnreform seit 23 Jahren überraschend schnell hinbekommen. Hinter den Kulissen dürfte es nicht so einfach gewesen sein?“.
Hanke: Diese Reform ist wirklich von allen mitgetragen worden, vom Aufsichtsrat, von den Experten, von Bahn-Chef Matthä und auch der Betriebsrat war involviert. Die eigentliche Leistung war, alle mitzunehmen. Sie waren zu Recht ja auch skeptisch, ,na ja, das ist eine Riesenkonzern, wer weiß, ob der Hanke liefert?’ Die Welt hat sich geändert, die Reform ist die Antwort darauf.
Dafür müssen Sie das Bundesbahngesetz ändern?
Ja, in der derzeitigen Form wären die notwendigen Schritte nicht möglich. Die drei Ebenen der ÖBB sind im Gesetz festgeschrieben. Das geht natürlich nicht mehr, eine moderne Konzernstruktur braucht Flexibilität. Klar ist: Die Person, die an der Spitze steht, muss die Ziele ausgeben können und die müssen auch durchgehend eingehalten werden. Das war so nicht mehr ganz der Fall. Wenn man eine AG an der Spitze hat, und auf der zweiten Ebene auch, kann das nicht funktionieren, aufgrund der Weisungsfreiheit von AGs. Diese Bruchlinien haben wir mit der Umwandlung in GmbHs nicht mehr. Damit gehören die Doppelgleisigkeiten der Vergangenheit an.
Die ÖBB sind das größte staatliche Unternehmen. Wo ist der Platz der Politik?
Meine Rolle als Eigentümervertreter ist es, die strategische Handschrift zu setzen. Es braucht eine moderne, effiziente Bahninfrastruktur. Klar ist auch, dass wir in der Holding, die auch operative Aufgaben bekommt, drei Vorstände brauchen werden, um die Aufgabenfülle abzuarbeiten. Dafür gibt es in den Töchtern weniger Führungsspitzen. Es gibt derzeit über 100 Beteiligungen, dort wird es zu Zusammenschlüssen kommen.
Das größte Problem ist die Rail Cargo, der Güterverkehr. Da wurde noch keine Strategie präsentiert.
Der schwächelnde Güterverkehr ist kein österreichisches Phänomen, ein ähnliches Bild zeigt sich in Deutschland, in Italien und sogar in der Schweiz. Wir liegen mit der Verlagerung von der Straße auf die Schiene klar über dem EU-Schnitt. Das wollen wir natürlich halten. Wir wissen aber auch, dass wir mit der wirtschaftlichen Krisensituation der letzten Jahre zweifelsohne an Marktwert verloren haben. Das Management wird hier neue Wege finden und Ergebnisse liefern müssen.
Private Kooperationen?
Kann sein, dass es mehr in diese Richtung geht. Man wird sehen, welche Optionen sich ergeben können.
Wird Flughafen-Vorstand Julian Jäger neuer Chef der ÖBB? So viele Top-Manager hat die SPÖ nicht.
Wir werden den oder die neue/n CEO im Dezember kennen. Entscheiden wird der Aufsichtsrat unter der Vorsitzenden Brigitte Ederer.
Formal ist das so. Aber bei diesem wichtigen Job werden Sie doch mitreden?
Ich komme aus dem Beteiligungsbereich und eine AG hat eigene Spielregeln.
Wir kennen alle die österreichische Realpolitik …
Ich möchte keine Entmachtung des Aufsichtsrates, sondern mich als Eigentümervertreter auf dessen Entscheidung verlassen.
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Source:: Kurier.at – Wirtschaft



