
Die WM 1994 in den USA habe ich gemeinsam mit Alfie Haaland verbracht, einem danach neun Jahre lang in der Premier League gestählten Verteidiger. Was uns damals durch das Aus in der Gruppenphase verwehrt geblieben ist, hat Erling Haaland beinahe im Alleingang geschafft: Mit 16 Toren in den acht Spielen der Qualifikation führte der Sohn von Alfie Norwegen zur ersten Endrunde seit 1998.
In den ersten beiden WM-Spielen folgten gleich wieder vier Treffer gegen Irak und Senegal.
Deswegen konnte Erling Haaland gegen Frankreich geschont werden, um Dienstagabend ab 19 Uhr ausgeruht gegen die Elfenbeinküste wieder losstürmen zu können.
„Erling ist ein außergewöhnlicher Mensch“
Ich möchte heute weniger über die unzähligen Torrekorde von Erling – er ist ja bereits Gewinner des „Goldenen Schuhs“, der Champions League und Norwegens Rekordschütze (mit 59 Toren in 52 Spielen) – erzählen, sondern über den Menschen.
Auch wenn ich oft lese: „Haaland ist eine Maschine“, heißt es für mich in erster Linie: „Erling ist ein außergewöhnlicher Mensch.“
Näher kennengelernt habe ich den heute 25-Jährigen 2019 in Salzburg. Bei einem gemeinsamen Essen mit seinem Papa, knapp vor dem ersten Spiel mit Red Bull in der Champions League gegen Genk.
„Beim falschen Match“
Ich wäre gerne in Salzburg dabei gewesen, wurde dann aber fürs norwegische TV nach Liverpool geschickt. Nach seinem Hattrick gegen Genk hat mir Erling um vier Uhr früh die Nachricht geschickt: „Jan, du warst beim falschen Match.“
Das ist mir nie wieder passiert. Wenn immer es für meine TV-Jobs möglich ist, schaue ich Erling live im Stadion zu.
Für eine Doku während der Dortmund-Zeit habe ich ihn sechs Monate lang „verfolgt“. Das war vor der Entscheidung über den Transfer nach Madrid zu Real oder nach Manchester zu City. Nachdem wir Norweger eine enge Bindung zur Premier League haben, war der Jubel über City groß – auch wenn es bei uns deutlich mehr Fans von Erzrivale ManUnited gibt.
Obwohl Pep Guardiola früher lieber mit einer „falschen Neun“ gespielt hat, wollte er Erling als Mittelstürmer unbedingt. Unter Pep ist er noch einmal besser geworden. Vor allem beim Bällehalten und per Kopf.
Zum Leader geworden
Mittlerweile ist er ein Leader, zählt bei City zum Kreis der Führungsspieler, und bei Norwegen ist er der Vizekapitän. Eben weil er abseits der Kameras ein sehr bodenständiger, höflicher und hilfsbereiter Mensch ist, schenken ihm seine Mitspieler immer das volle Vertrauen. Auch wenn er länger wenig Bälle bekommt, wissen sie, dass Erling am Ende entscheidende Tore erzielen wird.
Ich hoffe, es wird in einem echten 50/50-Spiel gegen die Elfenbeinküste wieder so sein. Aber eines steht bereits fest: Erling Haaland ist der populärste Norweger, den es in meiner Heimat jemals gegeben hat.
Jan Age Fjörtoft war mit Norwegen bei der WM 1994 in den USA und analysiert die Endrunde als TV-Experte bei ServusTV.
Source:: Kurier.at – Sport



