
Das erste Halbjahr 2026 lief durchwachsen für die heimische Apothekengruppe Apolife. „Wir sehen, dass uns die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nach wie vor im Schwitzkasten haben“, sagt Martin Geisler, Generalsekretär der Gruppe dem KURIER. Nicht nur würden die 117 Mitglieder von Apolife unter hohen Energie-, Miet- und Personalkosten leiden, auch die Einnahmen schwächeln.
Im vergangenen Winter fiel etwa die Erkältungswelle weniger intensiv aus als in anderen Jahren. „Das war zwar gut für die Kunden, aber schlecht für unser Geschäftsmodell“, so Geisler. Denn Erkältungsmittel machen in Apotheken rund ein Viertel der Umsätze mit freiverkäuflichen Medikamenten aus. Die Umsätze mit Erkältungsarzneien, Nasensprays und Co sind im ersten Halbjahr 2026 um 4,4 Prozent eingebrochen. „Das ist traditionell etwas, das auch nicht mehr aufzuholen ist“, so Geisler.
Abnehmspritzen sorgten für Einbruch bei traditionellen Abnehmmitteln
Auch in anderen Bereichen verzeichnete die Gruppe „tiefrote“ Zahlen. Den größten Rückgang gab es mit rund minus 16 Prozent bei den Schlankheitsmitteln. „Durch Ozempic und Ähnliches ist das Schlankheitsthema stärker zu den Ärzten und ins Internet gewandert.“
Insgesamt liegt die Gruppe mit dem Umsatz 0,04 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. „Bei einer Inflationsrate von 3,2 Prozent sind wir damit deutlich unter Wasser.“ Die getrübte Stimmung dämpft auch die Investitionsbereitschaft. „Das ist deutlich sichtbar. Renovierungen und Investitionen werden aufgeschoben. Und wenn es nur ein neues Regal ist. Da wird lieber abgewartet, um die Liquidität im kleinen Unternehmen zu halten.“
Ein deutliches Plus gab es nur bei den Mitteln gegen Reisekrankheit und bei Nahrungsergänzungsmitteln wie Vitaminpräparaten. Letztere wuchsen um 6,3 Prozent. Der Apolife-Generalsekretär führt diesen Zuwachs auf den Longevity-Trend (Langlebigkeit, Anm.) und den Wunsch vieler Kunden nach Selbstoptimierung zurück. Apolife kann in diesem Bereich mit seinen Eigenmarkenprodukten punkten.
Sonnencreme, Make-up und Kirschkernkissen sollen Umsätze retten
Die Apotheken versuchen in Krisenzeiten ihre Umsätze auch durch ein breiteres Sortiment anzutreiben. So bieten einige etwa auch Gesundheits- und Lifestyleprodukte wie Sonnencreme, Kirschkernkissen oder Make-up an. „Das ist schon der Versuch, einfach sich breiter aufzustellen und Deckungsbeiträge im Unternehmen zu halten.“
Eine Belastung für viele Apotheker sei die wachsende Online-Konkurrenz. Auch hier setzt Apolife auf die Eigenmarken, weil man bei diesen keinem Preisvergleich im Netz ausgesetzt ist. Der Wettbewerb könnte in Zukunft noch deutlich härter werden. Auch Drogeriemärkte drängen immer mehr ins Geschäft mit freiverkäuflichen Medikamenten. Geisler bleibt aber optimistisch: „Wenn wir Marktanteile verlieren, weil einzelne Produkte oder Bereiche wegfallen, dann kommt dafür etwas anderes dazu.“ Apotheken könnten etwa in Zukunft auch Gesundenuntersuchungen, Blutanalysen oder Impfungen durchführen.
Branche verzeichnete erste Apotheken-Insolvenzen
Mittlerweile sei die Krise in der gesamten Branche so weit fortgeschritten, dass bei den Apotheken zuletzt auch erste Insolvenzen zu sehen waren. „Es werden heuer bestimmt noch ein, zwei Fälle folgen.“ Bisher waren die Pleiten auch durch die Begleitumstände bedingt. Etwa weil in der Umgebung eines Standorts Shops geschlossen wurden und somit die Kundenfrequenz einbrach. Auch Generationenwechsel würden nicht immer gut gehen. Massenphänomen seien die Insolvenzen keines, betont Geisler. „Wir werden kein Apothekensterben sehen wie seinerzeit bei den Buchhändlern oder Reisebüros. Aber einzelne Standorte wird es erwischen.“
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



