Pilnacek-Witwe im U-Ausschuss: „Er war mein Lebensmensch“

Politik

Als Caroline List im U-Ausschuss zum ersten Mal öffentlich spricht, hat sie einiges hinter sich: Sie hat versucht, mit Klagen ihre Privatsphäre zu schützen – das gelang ihr nur zum Teil. Sie wollte die Öffentlichkeit bei ihren Befragungen aus dem U-Ausschuss ausladen – hier ist sie gescheitert.

Vor allem aber hat die Richterin den Tod ihres Mannes zu verkraften, mit dem sie 22 Jahre verheiratet war, und über den sie sagt: „Er war mein Lebensmensch.“

Keine politische Akteurin 

Es ist auch diese, sehr private Perspektive, die sie konsequent einnimmt. „Ich sitze in erster Linie als Ehefrau eines verstorbenen Menschen vor Ihnen – nicht als politische Akteurin“, sagt sie in Richtung der Abgeordneten.

Für List steht außer Zweifel, dass sich Christian Pilnacek das Leben genommen hat. Die Präsidentin des Grazer Straflandesgerichts erklärt dies unter anderem mit ihrer Erfahrung. Als Richterin habe sie „Dutzende gewaltsam zu Tode gekommene Menschen gesehen“. „Ich war an gerichtlichen Untersuchungen beteiligt, habe Hunderte Akten mit Beweismitteln und Bildern gewaltsam zu Tode gekommener Menschen studiert und teils auch verhandelt.“ Und nicht zuletzt, weil sie den Leichnam ihres Mannes noch einmal sehen durfte, war für sie – wie für die Polizei – klar, dass sich ihr Mann „entschlossen hatte, seinem Leben ein Ende zu bereiten“.

Die Arbeit der Polizei nimmt List explizit in Schutz. Sie arbeite „seit Jahrzehnten“ mit der Kriminalpolizei eng zusammen. Und sie habe auch bei den Beamten des Landeskriminalamtes Niederösterreich Einfühlsamkeit und Professionalität erlebt.

Schockzustand 

Vieles, was in den Stunden und Tagen nach dem überraschenden Tod des Sektionschefs passiert ist, kann die ernst und angespannt wirkende Gerichtspräsidentin nur schemenhaft wiedergeben. Sie sei im Schockzustand gewesen, habe drei Tage nicht geschlafen, nichts gegessen.

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Ein Datum ist ihr dennoch präsent: Am Abend des Nationalfeiertags, also drei Tage nach Pilnaceks Tod, hat ein Polizist List informiert, dass auch die Obduktion kein Fremdverschulden ergab.

Pathologie

List über den Besuch in der Pathologie: „So schrecklich das für mich war, ich wusste bei seinem Anblick, dass er nun endlich seinen Frieden gefunden hat.“

Der 26. Oktober ist auch insofern von Belang, als für List an diesem Tag feststand, dass „die Datenträger meines Mannes (Handy, Laptop, etc.) keine Relevanz für das Ermittlungsverfahren seines Todes haben.“ List bezeichnet es als „klassischen Rückschaufehler“, wenn man „im Nachhinein behauptet, das Handy wäre ein Beweismittel gewesen“.

Dazu muss man wissen: Noch am Tag des Todes und damit vor Abschluss der Obduktion hat die Polizei List bzw. ihrem Anwalt das Mobiltelefon von Pilnacek ausgehändigt. Und das wiederum wurde und wird im U-Ausschuss heftig diskutiert.

An einer Stelle der Befragung wird List auf Interventionen angesprochen, die ihr Mann für sie bei steirischen Landespolitikern via SMS erledigt hat. List sagt, sie wusste nichts davon. Und habe sie auch nicht beauftragt.

Verschwörungstheorien

Vor der Gerichtspräsidentin wurde Stefan Pfandler, der Leiter des Landeskriminalamtes Niederösterreich, befragt.

Der Kriminalist beschrieb teils sehr emotional, wie sehr er selbst, seine Familie, die Mitarbeiter, aber auch der Ruf der Polizei unter dem kolportierten „Pauschalverdacht“ gelitten haben.

Damit meint er den Vorwurf, Polizei und Justiz hätten bei der Klärung von Pilnaceks Todesumständen geschlampt. „Die Polizei hat alles in ihrer Macht Stehende getan.“

Für die ermittelnden Kriminalisten …read more

Source:: Kurier.at – Politik

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