„Legends“ auf Netflix: Undercover gegen die Heroinkrise

Kultur

Es ist das Jahr 1990, als zur gleichen Zeit zwei Drogentote für Schlagzeilen in britischen Tageszeitungen sorgen. Ein 15-jähriger Teenager aus einer Sozialsiedlung in Liverpool. Und die Tochter eines Ministers, die in Oxford studierte. Man muss nicht lange rätseln, welcher der beiden Fälle die Politik auf den Plan ruft.

Das Land steht vor einer Rezession, erklärt der Innenminister seinem Mitarbeiter, und Premierministerin Margaret Thatcher braucht eine Krise, die sie lösen kann. Da kommt das wachsende Heroinproblem in Großbritannien ganz gelegen – und so wird der ehemalige Undercover-Ermittler Don (Steve Coogan) beauftragt, sich der Sache anzunehmen. Er beginnt, unter fadisierten Zollbeamten ein Team zu rekrutieren, das sich bei den gefährlichsten Drogenbanden des Landes einschleusen soll.

Die britische Mini-Serie „Legends“ (zu sehen auf Netflix) wurde von wahren Begebenheiten inspiriert. Zum Schutz der Involvierten seien jedoch Details verändert worden, heißt es am Anfang. Der Öffentlichkeit bekannt ist zumindest das reale Vorbild des wortkargen Guy (gespielt von Tom Burke), der ein Buch über seine Erfahrungen als verdeckter Ermittler geschrieben hat.

Die Serie zeigt ihn zunächst in einem flotten, teils skurrilen Zusammenschnitt mit mehreren Kolleginnen und Kollegen vom Zoll, die keine Lust mehr darauf haben, den ganzen Tag Koffer nach geschmuggelten Gegenständen zu durchsuchen oder sich mit illegalen Pornosammlungen zu beschäftigen. Umso verlockender erscheint ihnen Dons Aufruf, sich der neuen Geheimoperation anzuschließen.

Die Ausbildung dafür findet im Schnellverfahren durch ein improvisiertes dreiwöchiges Intensivtraining statt. Wer nach Essensgeld oder Überstundenbezahlung fragt, fliegt sofort.

Besondere Lieferung

Am Ende bleiben vier Personen übrig – neben Guy sind das die selbstbewusste Kate (Hayley Squires), der verschlossene Bailey (Aml Ameen) und Recherche-Ass Erin (Jasmine Blackborow). Letztere versorgt das Team vom Büro aus mit wichtigen Infos. Kate und Bailey werden nach Liverpool geschickt, wo sie sich bald auf die Fersen eines Bäckers heften, der nicht nur Semmeln ausliefert, und sie zu einem größeren Netzwerk führt.

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Guy, die am stärksten ausgearbeitete Figur, soll sich in London einer türkischen Drogenbande anschließen. Dafür gibt er sich als gewaltbereiter Importhändler aus, der auf der Suche nach einem großen Coup ist, während er abends heimlich vom Münztelefon aus seine Frau Sophie (Charlotte Ritchie) anruft.

Egal, was passiert – die Undercover-Beamten dürfen ja nicht aus ihren Rollen fallen und müssen sich immer an ihre neuen Identitäten halten.

Ständige Sorge

„Legends“ ist eine raue Thriller-Serie, könnte aber durchaus mehr an Fahrt aufnehmen. Dialoge, in denen einander zwei Beamte während der Observierung im Auto erklären, was sie eigentlich observieren wollen, wären auch nicht unbedingt nötig gewesen.

Die Geschichte über Drogenkriminalität und politische Motivation bleibt dennoch spannend. Und die ständige Sorge, einer der Ermittler könnte auffliegen (zum Beispiel, als ein vermeintlicher Ex-Häftling vom Dealer gefragt wird, auf welcher Seite im Gefängnis denn eigentlich die Betten stehen), sorgt für ein konstant erhöhtes Adrenalin-Level.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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