Milliardenpleite Signa Holding: Verwalter kämpft um 160 Millionen Euro vor Gericht

Wirtschaft

Es war einer der spektakulärsten Wirtschaftszusammenbrüche der jüngeren österreichischen Geschichte: Der Fall des Signa-Imperiums riss ein Milliardenloch in die Bilanzen von Banken und Investoren. Nun, gut eineinhalb Jahre nach der Insolvenz der Signa Holding, legt Insolvenzverwalter Christof Stapf seinen sechsten Bericht vor – und der zeigt: Die schnellen Erfolge sind abgeschlossen, jetzt beginnt der zähe Kampf um jeden Euro.

Von der Luxusvilla bis zum Chrysler Building

Was sich verwerten ließ, wurde verwertet: Das Firmenflugzeug ist verkauft, ebenso die Büroausstattung, die Jagdwaffen und die Einrichtung der Villa Ansaldi. Zusammen mit Domains und Markenrechten brachten diese Sachverwertungen rund 10 Millionen Euro in die Insolvenzmasse. Auch bei den Beteiligungen machte Stapf Fortschritt: Der US-Strang inklusive des legendären Chrysler Buildings in New York wurde ebenso veräußert wie Anteile an der Kronen Zeitung – zu Preisen, über die Stillschweigen vereinbart wurde.

Doch während diese Schnellverkäufe abgeschlossen sind, gestalten sich andere Transaktionen zäher. Die mittelbare Beteiligung an der Kurier-Zeitung sowie weitere Medienbeteiligungen sind noch immer Verhandlungsgegenstand. Die Signa-Marke selbst konnte der Insolvenzverwalter immerhin für die kommenden Jahre sichern – mit einer Option auf Verlängerung.

Der lange Atem der Justiz

Jetzt rüstet sich Stapf für das, was er selbst als „mehrjährige, kostenintensive Prozesse“ bezeichnet. Das Ziel: Anfechtungsansprüche in Höhe von mehr als 160 Millionen Euro durchzusetzen. Erste Erfolge kann der Verwalter bereits vorweisen – 8,7 Millionen Euro flossen aus Anfechtungen bereits zurück. Doch das ist nur ein Bruchteil dessen, was noch vor Gericht ausgefochten wird.

Parallel prüft Stapf Haftungs- und Schadenersatzansprüche gegen Wirtschaftstreuhänder, Steuerberater und Rechtsanwälte, die das Signa-Imperium einst berieten. Auch D&O-Versicherungen, die Manager gegen Haftungsrisiken absichern, stehen im Visier. Die Koordination erfolgt gemeinsam mit den Insolvenzverwaltungen der Signa Development Selection AG und der Signa Prime Selection AG – ein abgestimmtes Vorgehen im Kampf um maximale Rückflüsse.

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Deloitte durchleuchtet die Geldströme

Besonders brisant: Nach einer Gebarungsanalyse der Signa Holding im Jahr 2024 wurde die Untersuchung massiv ausgeweitet. Der Sachverständige Deloitte Financial Advisory durchleuchtet nun die Zahlungsflüsse aller großen Signa-Gesellschaften in einer koordinierten übergreifenden Analyse. Stapf betont die „vollumfängliche Kooperation“ mit den Ermittlungsbehörden – ein Hinweis darauf, dass neben den zivilrechtlichen auch strafrechtliche Verfahren im Raum stehen könnten.

8,4 Milliarden Euro Forderungen 

Die Dimensionen des Zusammenbruchs zeigen sich in den Zahlen: 451 Gläubiger haben Forderungen von insgesamt 8,39 Milliarden Euro angemeldet. Doch Stapf erkennt bisher nur 2,76 Milliarden Euro an – mehr als zwei Drittel der Ansprüche, nämlich 5,64 Milliarden Euro, werden bestritten. Ein juristischer Marathonlauf ist programmiert.

Die Signa Holding selbst hat Aktivforderungen von rund 200 Millionen Euro angemeldet – vor allem bei den beiden anderen großen Signa-Insolvenzverfahren. Doch wie viel davon tatsächlich zurückfließen wird, hängt von den dortigen Quotenausschüttungen ab. Deren Höhe ist derzeit „noch nicht abschätzbar“, wie es im Bericht nüchtern heißt.

Kampf mit ungewissem Ausgang

Christof Stapf hat die schnellen Siege errungen: Vermögenswerte sind liquidiert, die meisten Beteiligungen verkauft. Doch der eigentliche Kampf – um Anfechtungen, Haftungsansprüche und die Aufklärung der Geldflüsse im Signa-Geflecht – steht erst am Anfang. Der Insolvenzverwalter gibt sich kampfbereit: Personelle und finanzielle Ressourcen seien gesichert. Ob am Ende tatsächlich die angepeilten 160 Millionen Euro in die Kassen fließen, wird sich erst …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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