Wettlauf gegen die Pleitewelle: Kreditklemme droht

Wirtschaft

Unternehmer machen Druck, die Zeit für Überbrückungen drängt. Die Banken stecken bei der Kreditvergabe aber in der Zwickmühle.

Wochenlange Sperren von Geschäften, Restaurants, Hotels, Baustellen, Produktionshallen: Die Angst vor einer Pleitewelle wächst. Die Kreditrisikoversicherung Acredia rechnet für Österreich mit einem Anstieg der Insolvenzen um acht bis zehn Prozent.

Die Regierung versucht mit finanzieller Nothilfe das Schlimmste abzuwenden. Den Unternehmen, vor allem den kleinen, läuft aber die Zeit davon. Sie drängen auf sofortige Unterstützung. Aber noch stehen die exakten Bedingungen für die Auszahlung der Gelder aus dem Härtefonds, der mit einer Milliarde Euro dotiert ist, nicht fest.

Angelaufen ist neben dem Finanzpaket für Tourismusbetriebe bisher nur die Überbrückungskredit-Aktion des Austria Wirtschaftsservice (aws), bei der zunächst zehn Millionen Euro an Garantien zur Verfügung stehen. Dass der Staat bei akut nötigen Finanzierungen von kleinen und mittleren Betrieben für 80 Prozent bürgt, soll die Vergabe der Kredite erleichtern. Beantragt werden müssen sie aber bei der Bank.

Und dabei stoßen die Unternehmer auf Probleme. Eines ist organisatorischer Natur: Allein in dieser Woche erhielten die Kreditberater der Banken, die meist im Homeoffice arbeiten, so viele Kundenanfragen wie normalerweise in einem Jahr, hieß es aus einem Institut.

Und darüber hinaus sind die Banken verpflichtet, die Kreditwürdigkeit der Firmen streng zu prüfen. Nur bei ausreichender Bonität darf ein Kredit vergeben werden – aktuell ist diese aber wegen der Geschäftssperren dramatisch abgestürzt. Es droht eine massive Kreditklemme, also ein Finanzierungsengpass.

„In dieser Situation nutzt es nichts, wenn die EZB weiter Geld in die Märkte schüttet, wir brauchen eine Lockerung der Kreditvergaberegeln“, sagt der Chefanalyst der Raiffeisen Bank International, Peter Brezinschek.

Kurier/Gerhard DeutschKredite verweigert

In der aktuellen Krise müssten die Banken noch „entgegenkommender“ werden und schnell und flexibel Hilfe anbieten, räumte Andreas Treichl, Obmann der Banken- und Versicherungssparte in der Wirtschaftskammer, in der Sendung ORF-Eco ein. Auch wenn das bedeute, höhere Risiken einzugehen – dieses Bewusstsein müsse erst von den Chefs zu allen Mitarbeitern durchsickern.

Jetzt sei Geschwindigkeit entscheidend, auch wenn dadurch Fehler passierten, so der frühere Chef der Erste Group. Wenn in der Folge der Anteil an faulen Krediten steige, dann „wird das unser Beitrag sein, um diese Krise zu lösen“. Die Banken hätten jetzt drei Mal so viel Eigenkapital wie zur Zeit der Finanzkrise vor elf Jahren. Die faulen Kredite seien auf ein Drittel zurückgegangen. Die Banken seien in Österreich somit „für die Krise gut gerüstet“.

Kurier/Gerhard DeutschSpielräume nutzen

Schließlich sei die Kapitalausstattung der Banken nach 2008 exakt für solche Krisenfälle verstärkt worden, betonte Nicolas Véron, Experte der Brüsseler Denkfabrik Bruegel, via Webcall: „Trotz der Staatshilfen werden Betriebe ausfallen. Für die Banken entstehen daraus Verluste, aber genau dafür wurden diese Zusatzpuffer geschaffen.“ Die EZB habe schon vor zwei Wochen 120 Milliarden Euro Zusatzkapital der Euro-Banken freigegeben; das könne einiges an Verlusten auffangen.

Die Europäische Bankenaufsicht (EBA) rief die Geldinstitute am Mittwoch auf, „den regulatorischen Spielraum zu nutzen, um die Unternehmensfinanzierung zu gewährleisten“.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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