
von Susanne Zobl
Der 1980 in Oxford geborene Dramatiker Mike Bartlett zählt in Großbritannien zu den gefragten Dramatikern der Gegenwart. Dass er auch auf dem Kontinent mehr Präsenz verdient hätte, zeigt Bruno Max in seinem Theater Scala mit der österreichischen Erstaufführung von „Love, Love, Love“ aus dem Jahr 2010.
In furiosen drei Akten führt das Stück vom Aufbruch der Sechzigerjahre bis in Jahr 2011. Es geht um den Wandel der Gesellschaft, um Veränderungen, um Rebellion und die Orientierungslosigkeit der Kinder der 68er. Regisseurin Babett Arens verfährt mit diesem rasanten Text genau richtig. Sie vertraut diesen ihrem Ensemble an, das damit im jeweils zur Zeit passend eingerichteten Wohnzimmer (Ausstattung: Andrea Bernd) mitreißt und auch zum Innehalten anregt.
Man schreibt den 25. Juni 1967. Aus einem Fernseher ertönt der „Donauwalzer“, gesungen von den Wiener Sängerknaben. Kein Vorgriff auf das Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker, sondern Österreichs Beitrag zur ersten internationalen Fernsehübertragung, die weltweit über 400 Millionen Menschen verfolgen.
Pilzköpfe auf Zeitreise
Einer von ihnen ist Kenneth, ein Student aus Oxford mit dezentem Pilzkopf. Boris Popovic spielt ihn glänzend, lässt dessen Faszination für das Ereignis und Sandra, die Freundin seines Bruders, Henry (Paul Barna überzeugt als Realist) spüren, wenn er sich mit ihr bei Joints und „All you need is Love“ vereint.
Sublim verwandelt er sich in den erwachsenen und den betagten Kenneth. Sophie Prusa zeigt Sandra mit Verve als exaltierte Frau, die alles vom Leben will und auch erreicht.
Im Jahr 1990 haben sie es geschafft. Kinder, Karriere, Kunstwerke an den Wänden ihrer Wohnung in Reading, doch die Freiheit ist ihnen abhandengekommen. Also Scheidung, doch da können die Kinder nicht mit.
Sprung ins Jahr 2011. Sohn Jamie (Felix Frank zeigt diesen bis zur Selbstentäußerung) lebt mit dem Vater, Tochter Rose (Teresa Renner zieht alle Register der Verzweiflung) gibt den Eltern die Schuld an ihrem Scheitern als Solo-Geigerin und will, dass sie ihr ein Haus kaufen. Sandra hat einen Alkoholiker geheiratet, aber das ist ihr egal. Sie kehrt mit Kenneth zurück zu „All you need is Love“. Fazit dieses Theaterabends, den man nicht versäumen sollte, die Beatles recht, was braucht man mehr als Liebe?
Source:: Kurier.at – Kultur



