Chinas Snooker-Weltmeister aus dem fensterlosen Zimmer

Sport

„Ich dachte, die Zuschauer buhen mich aus. Bis ich verstanden habe, dass sie mich eigentlich anfeuern“, berichtete Wu Yize. „Wu“ haben sie gerufen, nicht „Buh“, als der 22-jährige Chinese im Crucible Theatre von Sheffield die Trophäe der Snooker-Weltmeisterschaft erhielt.

Mit der chinesischen Flagge auf den schmalen Schultern, der Kopf erschöpft stand Wu nun da mit dem Silberpokal in der Hand, die roten und weißen Konfetti flogen ihm um die Ohren. So ganz schien der junge Mann noch nicht zu realisieren, dass er das wichtigste Turnier der Welt gewonnen hatte – und eine halbe Million Pfund (rund 580.000 Euro). 

Und nach feiern war Wu auch nicht zumute: „Ich möchte einfach nur gut schlafen“, sagte der Chinese, sichtlich erschöpft. „Ich war vor dem Spiel so wahnsinnig nervös, deshalb möchte ich jetzt nur noch ins Bett.“ Beim 18:17 im Finale gegen den Engländer Shaun Murphy musste Wu viele kritische Situationen überstehen. Es war das erste WM-Finale seit 2002, das erst im 35. und damit letzten Frame entschieden wurde.

Aufstieg nach Skandal

Und Wu ist lange kein Einzelfall. Immer mehr junge Spieler drängen in die Weltspitze. Wu folgt mit dem Titel auf Zhao Xintong, der sich im Vorjahr zum ersten Weltmeister aus China gekrönt hatte.

Der rasante Aufstieg der Chinesen kommt allerdings zu einem pikanten Zeitpunkt. Schließlich hatten mehrere ihrer Profis im Jahr 2023 für den größten Wettskandal in der Snooker-Geschichte gesorgt. Zhao war wegen illegaler Matchabsprachen sogar vor seinem WM-Titel gesperrt gewesen. Andere Profis wurden lebenslang von den Wettbewerben des Weltverbandes World Snooker ausgeschlossen. Zhao soll von Manipulationen eines anderen Spielers gewusst und selbst gewettet haben, trug nach Aufdeckung des Skandals aber zur Aufklärung bei. 

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Wu Yize war damals nicht betroffen.

Zimmer ohne Ausblick

Mittlerweile ist China nicht nur in der Weltspitze des Snooker angekommen, das Reich der Mitte übernimmt langsam – nach langer Dominanz – das Zepter der Briten. Fünf der 16 besten Spieler der Welt stammen aus China. Nur drei der besten 16 sind unter 30 – alle drei Chinesen. China stellte außerdem elf der 32 Spieler im Crucible Theatre in diesem Jahr.

Der 43-jährige Shaun Murphy, der heuer dem halb so alten Wu unterlag, hat eine Erklärung für die Dominanz, die sich in China aufbaut. Die jungen asiatischen Kollegen seien harte Arbeit ebenso gewöhnt wie Hingabe für den Sport. Außerdem bringen sie große Opfer, so der Brite. Wu, der mit seinen Eltern nach Sheffield gezogen ist, um Snooker-Profi zu werden, sei ein Beispiel dafür: „Man hört Geschichten darüber, dass Wu Yize mit seiner Familie hierherkam und in einem fensterlosen Zimmer lebte. Ich denke, einige der britischen Spieler könnten sich daran ein Beispiel nehmen und erkennen, dass sie, wenn sie glauben, hart zu arbeiten, es wahrscheinlich nicht tun.“

 Ich denke, einige der britischen Spieler könnten sich daran ein Beispiel nehmen und erkennen, dass sie, wenn sie glauben, hart zu arbeiten, es wahrscheinlich nicht tun.

Shaun Murphy / Finalgegner von Wu

Passend dazu dankte Wu Yize seinen Eltern. „Sie sind die wahren Helden. Seit ich mich dafür entschieden habe, die Schule abzubrechen, sind sie an meiner Seite. Sie sind meine Stütze, ich liebe sie …read more

Source:: Kurier.at – Sport

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