
„Was für ein schönes Ende“, nannte Peter Turrini jenes Stück, mit dem Herbert Föttinger nach 20 Jahren als Direktor jüngst seine letzte Premiere im Theater in der Josefstadt feierte. Und das ist ja auch wirklich das Schöne an Wien: Vom Ende her betrachtet, ist hier alles immer schön, auch das, was anfangs als Zumutung empfunden wurde. Mit dem Blick in die Zukunft tut man sich nämlich schwerer als mit der nachträglichen Verklärung.
Also konnte Föttinger, der „mehr als mein halbes Leben“ in dem Theater verbracht hat, nun eine Bilanz ziehen, die sich an großen Errungenschaften entlangbewegte. Stolz sei er, erzählte er, auf die Metamorphosen des Theaters, auf die auch inhaltlichen Veränderungen, die jedoch die Tradition im Auge gehabt hätten.
„Rot“
Die Josefstadt sei kein „Plüschtheater der feinen Gesellschaft“ mehr, sondern eines, in dem auch die Schicksale der „sagen wir mal kleinen Menschen“ ihren Auftritt bekommen. Ja, er hat wirklich gesagt, „die Josefstadt ist rot“, bekräftigte Föttinger (der Sager heimste ihm ordentlich Ärger ein), gemeint sei aber nicht partei-, sondern gesellschaftspolitisch gewesen.
Für die, die bei so etwas vielleicht immer noch rot sehen, lieferte er Zahlen, die dem bürgerlichen Theater gut anstehen: 5 Millionen Besucher, 140 Millionen an Kartenerlösen, im Durchschnitt 85 Prozent Auslastung, 20 Millionen an Sponsorengeldern habe er in 20 Jahren verzeichnen können.
Weil der Abschied ja kein kleiner Anlass im Leben eines Direktors ist, griff Föttinger zurück bis zu seinen Auftaktstatements bei seiner ersten Pressekonferenz als Direktor. Die Josefstadt sei ein großes Schauspielertheater, sagte er einst wie heute, und nannte jene Namen, die er im Ensemble hielt, in dieses zurückholte oder als Gast verpflichten konnte (dass seine Nachfolgerin Marie Rötzer manch’ bisherige Fixgröße ziehen lässt, sorgte für einige Aufregung). „Ich weiß nicht, ob die Zukunft so sein wird, wie ich die Gegenwart erlebt habe“, sagt Föttinger – wie gesagt, Zukunft immer schwierig – in Hinblick auf die große Schauspielkunst.
Er habe nie auf die österreichischen Klassiker verzichten, aber auch Literatur des 19. Jahrhunderts und neue Werke zeigen wollen. Von den 288 Premieren seiner Amtszeit seien 108 entweder Ur- oder Erstaufführungen gewesen. „Wir mussten viel tun, damit es nicht immer als verstaubtes Theater in der Josefstadt dasteht“, sagte er, etwa neue Regisseure holen und die Neuausrichtung der Kammerspiele („man hat sich ein bisschen geschämt für das, was früher dort gespielt wurde“).
Bis zuletzt arbeite er an der Erneuerung des Theaters, auch wenn es ihm „schon ein bisschen wurscht sein könnte“. Am Schluss streute er dann Rötzer und ihrem Team Rosen: „Die werden das gut machen.“ Die Zukunft kann kommen.
Source:: Kurier.at – Kultur



