Militärexperte Reisner: „Beide Seiten haben eine Waffenruhe dringend nötig“

Politik

Anlässlich der Feierlichkeiten zum Ende des Zweiten Weltkriegs kündigte der russische Präsident Wladimir Putin eine zweitägige Waffenruhe im Ukrainekrieg an. 

Die Feuerpause soll am 8. und 9. Mai gelten. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskij konterte seinerseits mit einem Gegenvorschlag – und kündigte eine Waffenruhe bereits ab 6. Mai an. Militärexperte Markus Reisner sah am im Ö1-Morgenjournal am Mittwoch allerdings weniger ein ernsthaftes Friedenssignal als vielmehr ein „taktisches Manöver mit politischem Hintergrund“. 

Russlands Furcht vor Blamage

„Russland ist bemüht, das Narrativ der sogenannten Spezialoperation aufrechtzuerhalten – also eines Krieges, der ausschließlich in der Ukraine stattfindet“, erklärte Reisner im Interview. Dieses Bild gerate jedoch zunehmend ins Wanken. 

Hintergrund seien verstärkte ukrainische Drohnenangriffe auf russisches Territorium, die mittlerweile sogar Ziele in der Nähe von Moskau erreichen könnten. Besonders im Vorfeld der Feierlichkeiten zum 9. Mai wachse daher auf russischer Seite die Sorge vor einer symbolischen Blamage.

Ukraines Schachzug 

Die von Russland formulierte Drohung, Kiew im Falle eines Bruchs der Waffenruhe massiv zu zerstören, wertet Reisner als Zeichen von Unsicherheit. „Damit erkennt man natürlich auch eine Angst auf russischer Seite“, so der Experte. 

Gleichzeitig sei die Initiative zur Waffenruhe auch Teil einer diplomatischen Strategie gewesen, etwa um internationale Akteure auf die eigene Seite zu ziehen. So habe Putin mit dem US-Präsidenten Donald Trump ein Telefonat geführt, in dem er gesagt haben soll, dass man zu dieser Waffenruhe bereit sei, der Ball liege bei Selenskij.

Die Ukraine reagierte ihrerseits mit einem Gegenvorschlag: einer früheren Feuerpause, nämlich bereits ab Mitternacht des 6. Mai. Für Reisner ist das ein gezielter Schachzug, mit dem Kiew den Druck erhöht und testet, ob Russland es tatsächlich ernst meint.

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Keine Einigung beim Zeitpunkt

Dass sich beide Seiten nicht auf einen gemeinsamen Zeitpunkt einigen konnten, sei kein Zufall, sondern Teil dieser strategischen Kommunikation. Während die Ukraine versuche, moralische Glaubwürdigkeit zu demonstrieren, bleibe Russlands Verhalten widersprüchlich. „Es geht auch um das sorgsam gefütterte Narrativ, dass der Krieg, also die Spezialoperation, wenn man die russische Redensart nimmt, nicht in Russland stattfindet, sondern in der Ukraine“, betonte Reisner.

Erschöpfung auf beiden Seiten

Militärisch sieht der Experte beide Kriegsparteien unter starkem Druck. „Beide Seiten haben eine Waffenruhe dringend nötig“, sagte Reisner. Zwar halte die Ukraine die russischen Truppen weiterhin in Schach, doch auch auf russischer Seite zeigten sich deutliche Belastungserscheinungen. Eine entscheidende Rolle spiele dabei die Unterstützung durch internationale Partner. Ohne diese wäre der Krieg in seiner aktuellen Intensität kaum aufrechtzuerhalten. 

„Wer eine Waffenruhe absolut benötigt, ist die Zivilbevölkerung, die mittlerweile im fünften Jahr massiv unter Druck ist“, betonte der Experte.

Angriffe auf kritische Infrastruktur nehmen zu

Parallel zur Diskussion um eine Waffenruhe intensivieren beide Seiten ihre Angriffe auf strategische Ziele. Russland setze verstärkt Drohnen gegen die ukrainische Infrastruktur ein, während die Ukraine gezielt russische Öl- und Energieanlagen attackiere. Diese Angriffe treffen nicht nur militärische Kapazitäten, sondern auch wirtschaftliche Grundlagen. Die Ukraine würde damit quasi einen empfindlichen Nerv, weil diese Infrastruktur wesentlich für Russlands Einnahmen sei.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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