Tourismus-KV: Sozialpartner zanken – und verhandeln wieder

Wirtschaft

In die stockenden Kollektivvertragsverhandlungen für die Hotellerie- und Gastronomiebranche kommt wieder Bewegung. Nachdem sich Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite zuletzt via Aussendungen gegenseitig mit Vorwürfen überhäuften, wird am Donnerstag wieder verhandelt. 

Die Arbeitgeberseite erneuerte am Montag ihr Angebot mit einer Anhebung der Mindestlöhne und -gehälter um durchschnittlich 3 Prozent. Die Gewerkschaft fordert 3,8 Prozent mehr sowie zwölf garantierte freie Sonntage pro Jahr und eine bezahlte Mittagspause. 

Arbeitgebervertreter sehen „medialer Hetzkampagne“ 

Die Obleute des Fachverbandes Gastronomie, Alois Rainer, und des Fachverbandes Hotellerie, Georg Imlauer, in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) warfen in einer Aussendung am Montag der Gewerkschaft „mediale Hetzkampagnen“ vor. Grund ist eine für Mittwoch angesetzte Pressekonferenz der vida mit dem Titel „Tourismusboom ohne Beschäftigte: Warum dem Aushängeschild Österreichs seine Mitarbeiter:innen ausgehen“.

„Für diese Behauptungen fehlen – trotz mehrfacher Aufforderung der Arbeitgeber – seriöse Quellen und Analysen. Im Gegenteil: Die Beschäftigungsdaten widerlegen die Aussagen der vida“, so Rainer und Imlauer. Während im März 2026 ein Nächtigungsrückgang von 4,9 Prozent zu verzeichnen war, gab es gleichzeitig 230.899 Beschäftigte im Tourismus – das ist ein Plus von 5,0 Prozent im Vergleich zu März 2025 und ein Plus von 4,9 Prozent zum Vor-Corona-März 2019.

Steigende Nächtigungszahlen, vermeintliche Umsatzzuwächse und eine stabile Auslastung bedeuten laut Arbeitgeberseite aber „nicht automatisch wirtschaftliches Wachstum“. Bereinigt um die Inflation, stünden die realen Umsätze unter Druck bzw. seien teilweise rückläufig. Gestiegene Kosten für Energie, Lebensmittel und Beschäftigte sowie die fehlende Preisdurchsetzung führten zu „sinkenden oder stagnierenden Betriebsergebnissen“, hieß es seitens der Wirtschaftskammer.

Gastro unter Vor-Corona-Niveau

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Besonders deutlich zeige sich diese Entwicklung in der Gastronomie. Dort liegt die Gästefrequenz laut WKÖ „nach wie vor unter dem Vor-Pandemie-Niveau“. Die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen seien angespannt und das Konsumverhalten zurückhaltend.

Gewerkschaft dementiert „Branchen-Bashing“

Die Wirtschaftskammer blende die Realität vieler Beschäftigter konsequent aus, konterte die Gewerkschaft vida und wies jegliches „Branchen-Bashing“ von sich. Die Medien berichten den Angaben der Arbeitnehmerseite zufolge beinahe täglich über Fälle von Lohndumping, fragwürdigen Kündigungen und sozialer Unsicherheit im Tourismus. Hohe Fluktuation, häufige Übergriffe, Fälle sexueller Belästigung und zahlreiche weitere dokumentierte Verstöße gegen Arbeits- und Sozialrecht stünden in der Branche auf der Tagesordnung.

Mehr als 200.000 Beschäftigte im Tourismus

Übers Jahr sind in der Gastronomie und der Hotellerie zwischen 200.000 und 240.000 Menschen nach Kollektivvertrag in rund 65.000 Betrieben beschäftigt. Die Einstiegsgehälter variieren leicht je nach Bundesland, in Wiener Hotels und Kaffeehäusern werden monatlich 2.264 Euro brutto bezahlt. Der Mindestlohn für Hilfskräfte ist in allen Bundesländern mit 2.026 Euro brutto gleich.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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