Stationentheater: Idylle und Getto – vom Leben im Gemeindebau

Kultur

Wie aufwühlend Theater, das direkt ins wahre Leben führt, sein kann, demonstriert Regisseur Volker Schmidt in „Schöpfwerk represent – place to be“ (Text: Schmidt/Nesrin Mohammed). Mit seinem Stationentheater führt er in drei packenden Stunden durch die titelgebende Wohnanlage in Meidling. Schauspieler und Menschen, die in der Anlage wohnen oder gewohnt haben, fügen sich zu einem Ensemble und erschließen den Kosmos dieses Ortes.

Der von Viktor Hufnagel in den 1970er-Jahren konzipierte Bau mutet auf den ersten Blick wie ein All-Inclusive-Ressort an. Er bietet, was man zum Leben braucht. Man müsste ihn eigentlich gar nicht verlassen, denn es gibt Supermärkte, einen Kindergarten, eine Schule, eine Kirche, eine Moschee, ein Gemeinschaftszentrum, Bassena genannt, mit eigener Zeitung und Radiostation.

Das klingt sehr praktisch, aber auch nach Ghetto, was es für manche mitunter auch ist. Das Geschehen changiert zwischen Idylle und Horror, wie man bei den Szenen in der Schule erleben konnte. In einer Klasse debattiert eine Lehrerin mit einer Mutter über deren straffällig gewordenen Sohn. Im Musikzimmer spielt die Schulband auf und zeigt, welches Potenzial in den Jugendlichen steckt. Künstlerin Cynthia schildert ihre Kindheit als Tochter einer Alleinerzieherin aus den Philippinen. Eine Mutter, die vor dem Krieg in Syrien fliehen musste, blickt auf ihre Kindheit zurück.

Solche Geschichten rühren zu Tränen. Schauspieler Alexander Schauer rast als Vertreter von „Wiener Wohnen“ durch die Stationen. Aber warum? Wie im wirklichen Leben ist er für nichts zuständig. Dass der Schimmel in den Wohnungen immer mehr wird, lässt ihn kalt. Er lobt Wien als lebenswerte Stadt. Jubel für diese denkwürdige Produktion.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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