
Es ist eine Mischung aus Absurdität und Ernsthaftigkeit.
Nein, nicht der Song Contest (okay, der auch).
Sondern die Medienberichterstattung rund um das Musikevent. Internationale Medien versuchen in ihren Tickern und Abschlussberichten gerne, mit den Skurrilitäten auf der Bühne formulierungsmäßig mitzuhalten. In die spaßige Bewertung von Lederhosen, brennenden Bühnenelementen und Auri-Drink mischte sich auch das Resümee, dass der ESC in Wien gut funktioniert und trotzdem von der Israel-Debatte getrübt war.
„Auf keinen Fall“
Dass der bulgarische Song „Bangaranga“ gewonnen hat, wird als kulturelles Symbol für die derzeitige Verfasstheit Europas, aber natürlich auch als Sinnbild für den Bewerb an sich bewertet. „Das Chaos gewinnt“, schrieb etwa der Guardian. „Eurovision hat subtiler Nuance und Zurückhaltung wieder einmal ins Gesicht geschaut und gesagt: ,Auf keinen Fall.’“.
Denn „ein Song, der klingt, als würden drei verschiedene Hits in einer Clubtoilette miteinander kämpfen, hat irgendwie Jurys, Fernsehzuschauer und den gesamten Kontinent vereint. ,Welcome to the Riot’ entpuppte sich nicht als Songtext, sondern als Manifest.“
„Erfreulich lustig und sinnlos“ findet auch Die Zeit den Song.
Beim ESC in Wien habe es „viel Feuer, Leder und heiße Luft“ gegeben, urteilt die Times aus London.
Keine heiße, sondern scharfe Luft gibt es schon traditionell von BBC-Kommentator Graham Norton beim ESC, so auch in Wien. Das ist inzwischen eine Performance für sich, von der sich ESC-Fans wie -Nichtganzso-Fans gleichermaßen abgeholt fühlen dürfen.
Und Norton hatte, sagen wir mal, offenbar wenig Freude mit dem Moderatorenteam Victoria Swarovski und Michael Ostrowski. Zwischen den beiden herrsche „was auch immer das Gegenteil von Chemie ist“, sagte er. Und an anderer Stelle: „Leider, wir kehren zurück zu den Moderatoren“ (Norton hätte vielleicht seine Freude mit der Welt, die ein „Moderatorenpaar aus der Hölle“ sah).
Andere Medien lobten die beiden, wie auch den Sender, der sie herzeigte: „Der ORF trumpfte dem Geburtstag entsprechend auf“, schrieb die Süddeutsche Zeitung.
„Turbulent“
Dennoch verweisen viele internationale Medien auf die Schwierigkeiten des ESC. „Ein Sieg Israels hätte den Contest in dieser Form vielleicht beendet“, vermerkt die Süddeutsche Zeitung. Dieser sei „überschattet von den Protesten“ gegen Israels Teilnahme gewesen, so die New York Times, die – ein Zeugnis für die große internationale Beachtung des ESC – das Finale diesmal sogar live tickerte. Der Wien-ESC sei „turbulent“ gewesen – und „unberechenbar, hedonistisch, zuweilen surreal“ (wie immer, könnte man ergänzen).
Manch spanisches Medium übte sich vielleicht etwas gar in der Boykott-Eigenperspektive, „eine Ausgabe, die von Spaniens Abwesenheit geprägt war“, ortete etwa RTVE, was sich vor Ort vielleicht nicht ganz so darstellte.
Die Debatte um Israel war jedenfalls nicht nur Thema in den Medienberichten, sondern auch weiterhin bei den teilnehmenden Sendern: Die Chance sei „gering“, dass Belgien nächstes Jahr einen Kandidaten nach Bulgarien schickt, sagte übrigens eine Sprecherin des dortigen Senders VRT.
Dass Bulgarien gewonnen hat, wird weit verbreitet als große Überraschung, wenn nicht „Schock“ (New York Times) bewertet. Wobei der Tagesspiegel Prinzipielles festhält: „Der ESC ist trotz Wettquoten noch immer ein Live-Event, bei dem Dynamik, Inszenierung und Emotionalität am Finalabend wichtiger sind als Auftritte und PR im Vorfeld. Gerade diese Unvorhersehbarkeit macht ihn reizvoll“.
Bezüglich Bulgarien jedenfalls hegt Die Zeit größere Hoffnungen – verknüpft mit Kritik an Österreich: „Vielleicht …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



