Juliette Binoche und 600 Filmschaffende kämpfen gegen Medienzar

Politik

Die Ankündigung platzte mitten in die derzeit laufenden Filmfestspiele in Cannes und warf dunkle Schatten auf die strahlende Feier an der Croisette: Maxime Saada, Vorstandsvorsitzender des französischen Senders Canal+, erklärte, nicht mehr mit den 600 Filmschaffenden zusammenarbeiten zu wollen, die eine Petition gegen die drohende ideologische Einflussnahme des Medienunternehmers Vincent Bolloré unterschrieben haben. Der Sender gehört zu Bollorés Vivendi-Gruppe.

Er empfinde das Schreiben „als eine Ungerechtigkeit gegenüber den Teams von Canal, die sich unermüdlich für dessen Unabhängigkeit und Vielfältigkeit einsetzen“, rechtfertigte Saada seine Entscheidung. Durch sie werden Stars wie die Schauspielerinnen Juliette Binoche und Adèle Haenel, aber auch weniger bekannte Personen aus dem Kino-Milieu von den beträchtlichen Finanzierungsmöglichkeiten ausgeschlossen, die Canal+ bietet.

Der TV-Gigant steckt bis 2028 jährlich 170 Millionen Euro in die französische und europäische Filmförderung. Allerdings hat er die Summe gesenkt. Zuvor lag sie bei 220 Millionen Euro pro Jahr.

Ausgangspunkt der Petition war die Sorge vor einer „zunehmenden Einflussnahme der Rechtsextremen“ durch Bolloré. Der 74-Jährige gehört streng katholischen Kreisen an, unterstützt direkt Rechtsaußen-Parteien und wird oft mit dem skrupellosen US-Medienunternehmer Rupert Murdoch verglichen. 

„Wenn wir das französische Kino in die Hände eines rechtsextremen Unternehmers legen, riskieren wir nicht nur eine Vereinheitlichung der Filme, sondern auch die faschistische Kontrolle der kollektiven Vorstellungswelten“, heißt es in dem kämpferischen Text.

Bolloré könne demnach bald die gesamte Herstellungskette von Filmen kontrollieren, von ihrer Finanzierung bis zu ihrer Ausstrahlung auf der Leinwand oder im Fernsehen. Er hält bereits 34 Prozent der UGC-Kinos, der drittgrößten Kette der Kinosäle in Frankreich, und will diese bis 2028 ganz kaufen.

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Für den Zusammenschluss „Zapper Bolloré“, auf Deutsch in etwa „Bolloré wegschalten“, der die Petition gestartet hat, ist mit Saadas Ankündigung genau das eingetreten, wovor er gewarnt habe: Wer nicht auf Linie ist, wird ausgegrenzt. 

Der Regisseur Arthur Harari, einer der Unterzeichner, der sich mit seinem Film „L’Inconnu“ derzeit um die Goldene Palme in Cannes bewirbt, betonte, man habe nicht die Mitarbeiter von Canal+ kritisiert, sondern die „politische Dimension des Bolloré-Konzerns“ thematisiert. Der Präsident des Nationalen Zentrums für Film und Animation (CNC), Gaëtan Bruel, äußerte sich besorgt über die fehlende Meinungsfreiheit bei Canal+: „Das Recht, Kritik zu üben, ist ein Grundprinzip.“

Erst vor wenigen Wochen erschütterte ein Skandal um den Traditionsverlag Grasset, der ebenfalls zu Bollorés Imperium gehört, das literarische Frankreich. Ausgelöst wurde er durch die Entlassung des langjährigen Verlagsleiters Olivier Nora, der vielen als letztes Bollwerk gegen das spürbare Abdriften nach Rechts gegolten hatte. 

Aus Protest dagegen verließen rund 250 Autorinnen und Autoren, darunter so berühmte und unterschiedliche wie Virginie Despentes und Frédéric Beigbeder, den Verlag. Ein Streit um die Rechte der Autoren an ihren Werken ist entbrannt, doch der Kern der Kontroverse erscheint noch grundlegender:

Ein Jahr vor den französischen Präsidentschaftswahlen wird Bolloré vorgeworfen, rechtsextremes Gedankengut mit allen Mitteln in der Gesellschaft mehrheitsfähig machen zu wollen. Die von ihm aufgekauften Medien vom TV-Sender CNews über die Radiostation Europe 1 bis zur Sonntagszeitung Le Journal du dimanche betreiben offensive Meinungsmache in diese Richtung.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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