Kahlschlag: Warum die Wirtschaftskammer jeden 4. Job streicht

Wirtschaft

Martha Schultz greift in Sachen Kammerreform hart durch. Was die WKÖ-Präsidentin am Dienstag vor dem Präsidium präsentierte, ist nichts weniger als eine Kampfansage an die jahrzehntelang gewachsenen Strukturen der mächtigsten Interessenvertretung des Landes: Jeder vierte Job in der Bundeskammer fällt weg. 200 von 800 Stellen werden bis Ende 2027 gestrichen. Am Mittwoch um 9.00 Uhr ist in der Bundeskammer in Wien-Wieden eine Betriebsversammlung anberaumt. 

Der Abbau soll möglichst sozial verträglich ablaufen

„Ziel ist eine moderne, schlagkräftige Interessenvertretung, die sich konsequent an den Anforderungen der Betriebe orientiert. Wir bauen Doppelgleisigkeiten, Ineffizienzen und Unübersichtlichkeiten in der Organisation ab“, so die WKÖ-Präsidentin Schultz am Dienstag in einer Aussendung.

Einstellung von Aktivitäten

Im Zuge der Neuaufstellung sollen bestehende  Strukturen vereinfacht, Leistungen gebündelt, eingestellt oder in bestehende Organisationseinheiten integriert werden. In einzelnen Fällen soll  eine komplette Einstellung von Aktivitäten  vorgenommen werden, so zum Beispiel bei der Ideenschmiede oecolution. Dazu gehört auch, dass die Weiterbildungsplattform „wise up“ dichtgemacht und ins Wifi integriert wird. 

Einsparung von 100 Millionen Euro

Die Rechnung von Schultz ist einfach, die Umsetzung komplex: 100 Millionen Euro will sie den heimischen Unternehmern ab 2030 jährlich ersparen. Das Geld soll vor allem bei der Kammerumlage 2 bleiben, jener Zwangsabgabe, die nach Mitarbeiterzahl berechnet wird und den Firmen besonders wehtut. „Sozialverträglich“ soll der Abbau erfolgen, verspricht die Kammerchefin. Lehrlinge und Trainees sind vom Jobabbau ausgenommen, ebenso die Mitarbeiter der rechtlich selbstständigen Fachverbände. 

Mahrers Rücktritt

Harald Mahrer, der Vorgänger von Schultz, war Mitte November 2025 über eine geplante Gagenerhöhung für die Kammermitarbeiter und eine dabei völlig missglückte Kommunikation gestolpert. Als zunächst interimistische Nachfolgerin wurde die Tiroler Unternehmerin und WKÖ-Vizepräsidentin eingesetzt. In weiterer Folge wurde die Erhöhung der Entschädigungen für die Spitzenfunktionen ausgesetzt. 

  Warum die Wirtschaftskammer jeden 4. Job streicht

Klare Botschaft

Mitte April wurde die Tirolerin dann mit 99,3 Prozent der Stimmen von der Generalversammlung des Wirtschaftsbundes zur neuen Präsidentin gewählt. Sie kündigte sogleich umfangreiche Reformen an.  Ihre Botschaft ist klar: Die WKÖ ist zu teuer, zu aufgebläht, zu weit weg von den Betrieben.  Für die Reform hat sie sich externe Verstärkung geholt. Die Unternehmensberatung KPMG analysiert seit Jahresbeginn die Strukturen und soll bis Ende 2027 den Umbau begleiten. 

Zwei der drei Stellvertreterposten eliminiert

Zuletzt hat sie im Generalsekretariat zwei der drei Stellvertreterposten des Generalsekretärs Jochen Danninger eliminiert. Thomas Spann, einer der bisherigen Vizes, ist nun  „Leiter der Transformation“. Seine Kollegin Eva-Maria Liebmann wechselt in die Wirtschaftskammer Steiermark.  

„In dieser Funktion wird er im Auftrag der Präsidentin die laufenden Reformmaßnahmen vorantreiben, als zentrale Schnittstelle zu den Reformanstrengungen der Landeskammern fungieren und gleichzeitig ein besonderes Augenmerk auf die Neuausrichtung der Kommunikationsaktivitäten der WKÖ legen“, heißt es weiters.

Reform in den Länderkammer gefordert

Der Druck lastet nicht nur auf der WKO. Auch die neun Landeskammern müssen sparen – wie viel, wird hinter verschlossenen Türen verhandelt. „Der angekündigte Stellenabbau in der Wiener Zentrale kann nur ein erster Schritt sein. Der Großteil der Kammerbeiträge verbleibt in den neun Landeskammern, wo ebenfalls erheblicher Reformbedarf besteht“, so die Unos, die Wirtschaftsorganisation der Neos in der WKO. In der Wirtschaftskammer Wien hingegen wolle man auf Effizienzsteigerung und natürliche Fluktuation setzen, heißt es dazu aus der WKW. 

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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