
Mit Geld umgehen zu können, ist nicht nur für Erwachsene wichtig. Auch Jugendliche sind in ihrem Alltag häufig mit Finanzthemen konfrontiert und benötigen ausreichendes Wissen in diesem Bereich. In den vergangenen Jahren konnten vor allem Mädchen bei der Finanzbildung etwas aufholen, so eine Befragung des Sozialunternehmens YEPworks.
Zwar fühlen sich junge Frauen im Schnitt weiterhin schlechter informiert als ihre männlichen Altersgenossen, wenn es um Finanzen und Geld geht. Die Lücke schrumpft aber: 2023 gab noch mehr als die Hälfte der befragten Mädchen und fast ein Drittel der Buben an, sich eher nicht oder gar nicht auszukennen. Bei den männlichen Befragten blieb die Zahl circa gleich, bei den jungen Frauen schrumpfte sie auf 44 Prozent. Für Gerda Holzinger-Burgstaller, Chefin der Erste Bank Österreich, eine positive Entwicklung. „Es gibt keinen Grund für einen Gendergap“, kommentiert sie das Studienergebnis.
Jedes zweite Mädchen fühlt sich im Zusammenhang mit Geld gestresst
Auch wenn sich Mädchen heute besser informiert fühlen, werden Finanzfragen für sie immer noch häufiger zum Stressfaktor. Wie auch schon 2023 gaben auch heuer mehr als die Hälfte der jungen Frauen an, dass sie sich im Zusammenhang mit Geld gestresst fühlen. Aber auch Buben bereiten Finanzthemen vermehrt sorgen. 34 Prozent fühlen sich gestresst, 2023 waren es noch 29 Prozent.
Neben dem Geschlecht ist bei der Finanzbildung weiterhin die finanzielle Situation der Eltern ein Faktor: So schätzen Jugendliche aus einkommensschwachen Familien ihr Wissen in diesem Bereich deutlich schlechter ein als Altersgenossen aus finanziell stabilen Haushalten.
Gut informiert fühlen sich viele junge Menschen laut Befragung, wenn es um Vertragsverhältnisse geht, also etwa um Handy- oder Mietverträge. Auch bei Steuern, dem eigenen monatlichen Budget und Fixkosten haben die meisten einen guten Überblick. Wie schon 2023 gab auch heuer jede fünfte Person an, keinen Überblick über die eigenen Ausgaben zu haben.
Die Angst vor Verschuldung steigt – vor allem online
Gestiegen ist die Angst vor Verschuldung. 20 Prozent der Befragten hatten schon einmal Sorgen, dass sie ausgeborgtes Geld nicht zurückzahlen können (2023: 17 Prozent). Vor allem Online-Bezahldienste wie Klarna oder Riverty bergen laut Studie für die Jugendlichen ein hohes Verschuldungsrisiko.
Ein breites Bewusstsein haben die Jugendlichen für Online-Betrug. Ihr Wissen basiert dabei vor allem auf persönlichen Erfahrungen, Erzählungen aus dem Umfeld und auf Social-Media-Inhalten. Laut Befragung haben sie ein großes Vertrauen in die eigene Intuition. Dieses kann aber auch das Risiko bergen, dass potenzielle Gefahren unterschätzt werden.
Nachholbedarf sehen viele Junge beim Verständnis über wirtschaftliche Zusammenhänge. Auch welche finanziellen Förderungen es gibt und wie diese beantragt werden können, ist oft noch Neuland. Viele Jugendliche wünschen sich mehr Finanzbildung in der Schule, vor allem in Form von verständlichen Praxisbeispielen.
In Gymnasien scheint Finanzbildung aktuell kaum Thema zu sein: Fast drei Viertel der AHS-Schüler geben an, in der Schule nichts über Geld und Finanzen zu lernen. In berufsbildenden Schulen (BHS) sind es nur 17 Prozent. Holzinger-Burgstaller spricht von einem strukturellen Problem: „Wenn Finanzbildung davon abhängt, welche Schule man besucht oder aus welchem Umfeld man kommt, geht es letztlich um Chancengerechtigkeit.“
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



