
„Ich finde es eine bodenlose Frechheit, dass Sie über jemanden, der 30 Jahre lang im Dienste des Journalismus steht, von außen dieses Urteil abgeben“, sagte APA-CEO Clemens Pig in Richtung des Mitbewerbers um die ORF-Generaldirektion, US-Manager Johannes Larcher.
Larcher hatte ihn in der Puls-4-Sendung „Breaking Media Spezial“ zum „Systemkandidaten“ gemacht. Als Grund nannte er, dass von ÖVP-Seite vor Wochen erklärt worden war, man freue sich über eine Kandidatur Pigs. Dessen Replik: „Man wird derzeit teils von der Politik, teils von Medien vereinnahmt, das ist offenbar Teil des Spiels, der sehr, sehr unangenehm ist. Ich denke, ein so breites Kandidatinnen- und Kandidatenfeld ist die beste Immunisierung gegen eine Art Geschmäckle.“ Er persönlich habe „mittlerweile viel eher den Eindruck, dass man mit mir einen hoch qualifizierten Bewerber auf diese Art und Weise eliminieren will.“ Er sei sein ganzes Leben politisch unabhängig gewesen, so Pig.
Plaudern beim Kanzer
Larcher räumte wie auch Pig und Ex-ProSiebenSat.1-Vorstand Markus Breitenecker ein, dass er zu einem Gespräch mit Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) eingeladen war. Der Streaming-Experte bezeichnete das Treffen als „freundlich und gut“. Er stellte klar: Bei politischen Spielchen „mache ich nicht mit.“ Ihm sei vom Kanzler versichert worden, dass die Wahl frei, unabhängig und nachvollziehbar erfolge. Die ORF-Stiftungsräte ließen sich nicht als „Stimmvieh“ behandeln und von parteipolitischen Interessen leiten, meinte Larcher.
Den Vorwurf, er habe zu wenig Einblick in den österreichischen Medienmarkt, wies Larcher zurück. Er sei die vergangenen Jahrzehnte zwar im Ausland tätig gewesen, habe Österreich aber immer sehr aufmerksam verfolgt. Zudem habe er sich wiederholt in neue Märkte eingearbeitet. „Man umgibt sich mit den besten Köpfen aus der Region und dann schafft man das“, so Larcher.
Der Blick von außen und der Vorteil mittendrin zu sein
ORF-TV-Magazinchefin Lisa Totzauer wurde damit konfrontiert, dass ihr nach 30 Jahren im ORF der Blick von außen fehle. Sie sieht das nicht als Nachteil. Für eine Transformation und die Bereitschaft der Belegschaft mache es einen erheblichen Unterschied, ob diese von innen angestoßen oder von außen „drüber gestülpt“ werde.
Ob Breitenecker nach Jahrzehnten als „Mr. Privat-TV“ innerhalb des ORF genügend vertraut wird, beantwortete er so: „Ja, weil ich beim Privatfernsehen immer auf Qualität geachtet habe“, sagte er. Früher habe es ein Konkurrenzverhältnis gegeben, räumte er ein. Er sei aber vor rund zehn Jahren einer der Ersten gewesen, die aufgrund des massiven Drohpotenzials durch internationale Giganten auf Kooperation statt Konkurrenz gepocht hätten.
ORFIII-Doku-Finanzierung als ORF-interner Streit
ORF-III-Geschäftsführerin Kathrin Zierhut-Kunz sieht sich trotz der Vorwürfe rund um die fragliche Finanzierung mehrerer Dokus auf ORF III als die Richtige an der Spitze des ORF. Sie betonte, dass alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Zugleich sagte sie, man könne überlegen, bei Sendungskäufen künftig genauer hinzuschauen und besser offenzulegen, wie die Sendungen zustande kamen.
Totzauer reagierte darauf mit einer Attacke: „Das wichtigste Gut des ORF ist Glaubwürdigkeit.“ Wenn auch nur der Anschein bestehe, dass Information im ORF gekauft werden könne, sei das ein Schaden für die Glaubwürdigkeit.
Weitgehend faire ORF-Berichterstattung
Exxpress-Herausgeberin Eva Schütz war als Einzige der Meinung, dass der ORF nicht fair und ausgewogen berichte. Zierhut-Kunz merkte an, dass der ORF verschiedene Haltungen in der …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



