Andreas Mölzer: „Ich glaube, ich bin der letzte Deutschnationale der FPÖ“

Politik

Am 20. Juni feiern die Freiheitlichen ihr 70-jähriges Bestehen in der Wiener Hofburg. Anlässlich dessen hat die derzeit stimmenstärkste Partei ein Buch herausgebracht („Klare Verhältnisse. Alles für Österreich“), das Andreas Mölzer „im Wesentlichen erstellen durfte“. Der 73-Jährige spricht im Interview über Jörg Haider, Heinz-Christian Strache, die Bedeutung von Burschenschaften, die Debatte um den von den Identitären geprägten Begriff der Remigration und wann sich der Umgang der FPÖ mit Medien ändern wird. 

KURIER: Chefideologe, Publizist, Urgestein – welche Zuschreibung trifft auf Sie zu?

Andreas Mölzer: Michael Suslow war Breschnews Chefideologe. Die Zuschreibung existiert nur in den Medien und wenn, dann ist der jeweilige Parteiobmann Chefideologe.

Sie sind jedenfalls ein Mann des Wortes…

.. des geschriebenen Wortes. 

Im Parlament sorgt der Begriff „Remigration“ für Schlagzeilen. Einzelne Freiheitliche nennen diesen durch die Identitären geprägten Begriff, erhalten Ordnungsrufe von der Dritten Nationalratspräsidentin Doris Bures, aber nicht vom Nationalratspräsidenten Walter Rosenkranz. Warum diese bewusste Begriffssetzung, die für viele einer Provokation gleicht?

Wir leben in einer Zeit, in der es weniger um Inhalte geht, denn um politisch korrekte Terminologie gestritten wird. Man darf nicht Neger sagen, sonst ist man Rassist. Man darf zwar Ausschaffung sagen in der Schweiz oder Außerlandesbringung, wie das Innenminister Karner tut, aber Remigration nicht? Das bedeutet nichts anderes. 

Doch bedeutet es etwas anderes, sonst würde die FPÖ nicht Remigration sagen. 

Schauen Sie: Gefährlich wäre eine Forderung danach, tatsächlich massenweise Menschen mit Migrationshintergrund außer Landes bringen zu wollen, wie das Gegner der FPÖ insinuieren. Wenn man damit aber die Außerlandesbringung von Kriminellen oder nicht integrationsfähigen oder -willigen Zuwanderern meint, dann schaut die Geschichte schon ganz anders aus.  

  Trumps 80. Geburtstag: Wie der US-Präsident an seiner Unsterblichkeit baut

Beharren Sie auf Remigration?

Ich beharre darauf, dass die Gedanken frei sind, und wir in einer Welt mit freier Meinungsäußerung leben. Es geht nicht um Worte, sondern um das, was man mit ihnen ausdrücken will. Wir wollen nichts Übles, sondern durchaus Menschenrechts- und Verfassungskonformes. 

Was wollten Sie mit „Negerkonglomerat“ 2014 ausdrücken? 

Das war ein Begriff im Zuge einer hitzigen Diskussion.

Der sie um Ihre EU-Karriere gebracht hat. 

Wie in jedem menschlichen Leben gibt es Brüche, und das war so einer. Manchmal will das Gegenüber einen missverstehen, manchmal will man provokanter sein, dann wieder mäßiger. Natürlich ist ein Teil des Erfolgs einer fundamental oppositionellen Partei wie der FPÖ, obwohl sie stimmenstärkste Kraft ist, die Provokation. „Die Mumie in der Hofburg“ von Parteichef Herbert Kickl am Aschermittwoch ist zugegeben in der Zuspitzung übertrieben und wäre in einer normalen Diskussion eher kränkend, aber umgekehrt? Was bekommen wir für Zuschreibungen? Nazi, Neonazi, Antisemit.

Sie gelten als Deutschnationaler. 

Ich glaube, ich bin der letzte Deutschnationale in der FPÖ. 

Inwiefern?

Für mich geht es um eine historische und kulturelle Dimension. Es gibt die Mitgliedschaft Österreichs im Deutschen Bund, Königgrätz, den Anschluss von 1919 und 1938 usw. Ich selbst bin deutscher Österreicher, meine Muttersprache ist deutsch, ich bin Teil dieser Geschichte, Teil eines gewissen Volkstums. Das hat nichts mit meiner staatsbürgerlichen Loyalität und nur bedingt mit der FPÖ oder der national-liberalen Ideologie zu tun. So wie es slowenische Österreicher gibt, gibt es halt meines Erachtens auch deutsche Österreicher. 

Kommen wir zur Geschichte der FPÖ. Sie haben zum 70-jährigen Bestehen …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

(Visited 10 times, 10 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.