Neues Album der Rolling Stones: Kurzweilig mit Blues, Country, Soul & Herzblut

Kultur

„Viele verschiedene Stile“ hat Rolling-Stones-Sänger Mick Jagger für „Foreign Tongues“ versprochen, als er und die Gitarristen Keith Richards und Ronnie Wood im Mai dieses 25. Studioalbum ihrer Band ankündigten. „Die Stones sind eine Rock-Band, aber wir sind nicht an ein Genre gebunden“, sagte er damals.

Er hat nicht zu viel versprochen. Tatsächlich gibt es auf „Foreign Tongues“ eine Vielfalt, die von Country-Einflüssen bis zu souligen Beats und fast punkigem Rock reicht. Immer präsent ist aber der Stil, der am Anfang stand: der Blues. Jagger und Richards kannten sich aus der Schule. Freunde wurden sie, als sie sich 1954 in der Bahnstation in Dartford trafen, Jagger Alben von Muddy Waters und Chuck Berry unterm Arm, Richards seine Gitarre in der Hand hatte, und sie so die gemeinsame Liebe zum Blues entdeckten.

Erste Liebe

Noch heute, sagte Mick Jagger kürzlich im „Sunday Sitdown“-Podcast von Willie Geist, sei alles, was die Stones machen, davon inspiriert: „Das war unsere erste Liebe, wir verdanken der Black Music so viel. Natürlich wollen wir unseren eigenen Stil einbringen, eigene Varianten davon kreieren, aber dass alles auf dem Blues basiert, kann man auf ,Foreign Tongues‘ in jedem Song hören.“

Am deutlichsten gleich im Opener, dem schon im Mai veröffentlichten „Rough and Twisted“. Der Song ist ein wunderbar räudiger Einstieg, bei dem das Piano dahin hackt, die Gitarren kreischen, die Mundharmonika aufheult und Jagger die Töne weltmeisterlich knautscht und zieht. Auch der zweite Song „In the Stars“ ist schon bekannt, bringt ein Stones-typisches Gitarren-Riff mit Pausen, die dem Schlagzeug Raum geben, und wird im Refrain mit hymnischem „Uh Uh“-Gesang poppig.

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Charisma

„Jealous Lover“ danach pendelt zwischen Soul und Funk und erinnert mit Falsett-Gesang an den Stones-Hit „Miss You“. Für „Mr. Charm“ wiederum legt Jagger fast wie ein Rapper die staccato-artige Bitte, man möge ihn Mr. Charm nennen, über Stones-typischen Blues-Rock.

Lupenreiner Country-Blues ist die wehmütige Liebesballade „Ringing Hollow“ mit Steve Winwood an Piano und Orgel. Dabei kann Jaggers Stimme, die in den 60 Karrierejahren nichts ans Charisma und Kraft eingebüßt hat, glänzen.

Wie Punker legen die Stones mit „Hit Me In The Head“ los, das sie noch mit ihrem 2021 verstorbenen Schlagzeuger Charlie Watts aufgenommen haben. Aufhorchen lassen auch „You Know I’m No Good“, das mit tanzendem Bass, Bläsern, ein paar spannenden Moll-Akkorden und einer einnehmenden Melodie punktet, und „Beautiful Delilah“, bei dem man das Gefühl hat, das Trio jammt mit Akustik-Gitarren backstage bei einem Folk-Festival.

Richards’ gebrochener Gesang sorgt ja eher selten für Höhepunkte im Stones-Repertoire. Auf „Foreign Tongues“ aber macht er das nachdenkliche „Some of Us“ zu einem Glanzpunkt, trägt wie Bob Dylan oder ein trauriger Bruce Springsteen perfekt das Gefühl eines gebrochenen Herzens in den Äther.

Lebendig

Insgesamt hat das Album wenige Schwachstellen. Manchmal würde man sich wünschen, die Stones hätten die Song-Enden nicht so ausgedehnt und zum Beispiel „Mr. Charm“ pointierter beendet. Und „Covered in You“ mit Paul McCartney am Bass beginnt vielversprechend, wird aber im Refrain vorhersehbar.

Neu erfinden tut sich das Trio mit diesem Album nicht. Das hätte wohl auch Millionen Fans verstört. Aber „Foreign Tongues“ ist durch die Vielfalt und den guten Mix aus …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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