
Donald Trump war der erste Gast, der kam und soll der letzte sein, der wieder abreist – so zumindest sind die Pläne von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron für den G7-Gipfel in Évians-les-Bains. Am Montagnachmittag empfing er den US-Präsidenten vor allen anderen Staats- und Regierungschefs. Am Mittwochabend wiederum lässt er das internationale Treffen mit einem prunkvollen Dinner im Schloss Versailles ausklingen – nur mit Trump und zur Feier des 250. Jahrestags der US-amerikanischen Unabhängigkeit.
Diese Vorzugsbehandlung erklärt sich aus dem Bemühen, Trump in keiner Hinsicht zu verärgern, um die Gespräche und geplanten Abschlusserklärungen der sieben führenden Industrienationen nicht zu gefährden. Allein die Teilnahme des unberechenbaren 80-Jährigen wird schon als Erfolg verbucht – den es nun zu erhalten gilt. 2025 war Trump vom G7-Gipfel in Kanada vorzeitig abgereist. Einen solchen Eklat will Macron unbedingt vermeiden.
„Pragmatischer“ Macron
Auf die Frage, ob er Trump seinen 2025 geäußerten Satz „Emmanuel täuscht sich immer“ nachtrage, antwortete der französische Staatschef am Montag in einem Fernsehinterview, er sei „pragmatisch“. Hinsichtlich der jüngsten Drohungen eines Zollaufschlags von 100 Prozent auf französische Weine wolle Paris die Digitalsteuer für US-Technologiekonzerne nicht zurücknehmen, antwortete Macron dennoch, so laufe das nicht. „Wir werden respektvolle, aber klare Gespräche darüber führen.“ Potenzial für eine Verärgerung des US-Präsidenten ist also trotz des Hofierens durchaus da.
Trotzdem könne der Stil des französischen Staatschefs – „direkt, konkret und ehrgeizig“ – Fortschritte mit allen G7-Partnern „inklusive Präsident Trump“ ermöglichen, lobte der kanadische Premierminister Mark Carney im Vorfeld. Südafrika wurde, anders als häufig bei den vergangenen G7-Treffen, nicht eingeladen, weil Trump nach Angaben eines Sprechers des Landes mit einem Boykott gedroht hatte. Der US-Präsident warf der schwarzen Bevölkerungsmehrheit Südafrikas einen „Genozid“ an der weißen Minderheit vor, ohne Beweise vorzulegen.
Neben den ständigen G7-Mitgliedern Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, USA, Kanada und Japan nehmen an den Gesprächen in Évians-les-Bains die Vertreter von Ägypten, Brasilien, Südkorea, Indien und Kenia teil. Am Dienstag kommt der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij zu Gesprächen hinzu. Auch zur Vereinbarung zwischen den USA und dem Iran herrscht Redebedarf. Darüber wird auch im Beisein des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate und des Emirs von Katar gesprochen.
Abgesehen von den aktuellen geopolitischen Konflikten haben die französischen Gastgeber als Hauptthemen die herrschenden Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft, einen faireren Zugang zu kritischen Mineralien sowie Regelungen für Künstliche Intelligenz und soziale Netzwerke auf die Agenda gesetzt. Um Trump milde zu stimmen, wird ein anderes Thema ausgespart: Klimaschutz. Vorbei sind die Zeiten, als Macron kurz nach seiner Wahl 2017 in einem Video auf Trumps Schlachtruf „Make America Great Again“ antwortete: „Make Our Planet Great Again“ („Machen wir unseren Planeten wieder groß“). Solche Provokationen sind passé.
Source:: Kurier.at – Politik



