
Österreich ist im neuen „World Competitiveness Ranking“ der Schweizer Wirtschaftshochschule IMD aus Lausanne weiter zurückgefallen und rangiert inzwischen nur noch im Mittelfeld – auf Platz 29 von 70 untersuchten Ländern. Vor Jahren war ein Platz unter den Top 20 nahezu selbstverständlich.
Heute überwiegen die von den Wissenschaftern aufgezählten Standortschwächen; ein noch schlechteres Ranking wird nur durch die überdurchschnittlich gute Bewertung im Bereich der Infrastruktur (Rang 13) verhindert. In diesem Bereich erhält Österreich gute Noten unter anderem für das Bildungsniveau und die intakte Umwelt, nicht nur für Straße, Bahn und Forschungsausgaben.
Mieses Ergebnis
Ganz anders sieht es in den Bereichen Wirtschaft („Economic Performance“) und Regierung („Government Efficiency“) aus.
Im Wirtschaftsbereich (Rang 39) drücken das kaum vorhandene Wachstum, die lange Zeit überdurchschnittlich hohe Inflation, geringe Auslandsinvestitionen und die schwache Performance im internationalen Handel die Platzierung. Im Regierungsbereich (nur Rang 43) sind es Dinge wie die Steuerpolitik, die nicht vorhandenen Reformen von Gesundheit bis Pensionen oder die leeren Staatskassen.
Viel Kritik
Für die Industriellenvereinigung (IV) oder den Handelsverband ist das schwache Abschneiden bei der staatlichen Effizienz „besonders alarmierend“. „Bürokratie, regulatorische Komplexität und hohe Abgaben sind hausgemachte Standortnachteile. Hier haben wir es selbst in der Hand, gegenzusteuern und die Rahmenbedingungen für Unternehmen zu verbessern“, sagt IV-Generalsekretär Christoph Neumayer. Und Handelsverband-Chef Rainer Will meint: „Belastungen durch das Doppelbudget kommen sofort, Entlastungen vielleicht in 2028. Der Handel muss damit einmal mehr als reine Melkkuh für ein Budgetdefizit herhalten, das auch auf jahrelang verschleppte Reformen zurückzuführen ist.“
Ganz anders die Reaktion der Regierenden. So spricht etwa Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) von einem „klaren Auftrag“. Das Ziel bleibe: „Österreich gehört unter die zehn wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften der Welt.“ Auch für Neos-Staatssekretär Sepp Schellhorn ist „Mittelmaß keine Option“. Er sagt: „Die Alarmglocken schrillen bei Produktivität, Verfahren und Bürokratie. Und genau dort müssen wir die Bremsen lösen.“ Nur Infrastrukturminister Peter Hanke (SPÖ) hat es leicht und freut sich über die gute Platzierung in seinem Verantwortungsbereich.
Das tröstet nicht darüber hinweg, dass andere Länder Österreich insgesamt weit voraus sind. Das Ranking wird von Singapur und Hongkong angeführt, die Schweiz ist vom früheren Spitzenplatz auf Rang drei abgerutscht. Verantwortlich dafür sind der massive Rückgang an Auslandsinvestitionen bei den Eidgenossen sowie das schwache Wirtschaftswachstum.
Aber auch das vielfach als Reformvorbild genannte Dänemark hat sich um zwei Plätze auf Rang 6 verschlechtert, zwei Plätze auf Rang 8 aufgestiegen sind die Niederlande. Insgesamt liegen von den ersten zehn Ländern fünf in Europa und vier in Asien. Komplettiert werden die Top 10 durch die USA, die 2025 noch auf Rang 13 lagen.
Während Länder wie die Schweiz, Dänemark oder Singapur auf institutionelle Verlässlichkeit setzen, spielen die USA ihre Stärke über Marktgröße, Technologie und Unternehmergeist aus, heißt es sinngemäß. Die USA verfügen aber auch über das leistungsfähigste Innovationsökosystem der Welt, das politische und fiskalische Schwächen teilweise kompensiert. Nicht zuletzt verdanken die USA den Top-10-Platz der stark gebesserten Stimmung unter US-Top-Managern.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



