
Die Ukraine hat am Donnerstag mit Hunderten Drohnenangriffen auf Russland unter anderem in Moskau eine Raffinerie getroffen und den zivilen Flugverkehr lahmgelegt. Russland attackierte seinerseits die ukrainische Hauptstadt Kiew erneut mit Raketen und unternahm weitere Luftangriffe auf andere Landesteile. In beiden Ländern starben nach Behördenangaben mehrere Menschen.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskij hatte am Mittwoch seine Bemühungen vorangetrieben, mit Unterstützung von US-Präsident Donald Trump den russischen Präsidenten Wladimir Putin für ein Friedensabkommen zu gewinnen. Putin, der vor vier Jahren den Großangriff auf die Ukraine befohlen hatte, lehnt Gespräche mit Selenskij bisher ab.
Welche Auswirkungen haben die ukrainischen Drohnenangriffe auf Moskau?
Die russische Flugabwehr schoss nach Angaben des Verteidigungsministeriums in der Nacht zum Donnerstag landesweit 555 ukrainische Drohnen ab. Der staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge handelte es sich um einen der größten Angriffe in diesem Jahr. Allein über Moskau habe die Flugabwehr rund 180 Drohnen abgefangen, teilte Bürgermeister Sergej Sobjanin auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit.
Mehrere Drohnen seien bis zu einer Raffinerie im südöstlichen Stadtbezirk Kapotnja durchgedrungen, erklärte Sobjanin. Ein Augenzeuge berichtete von Flammen und Rauchwolken über der Anlage. Für die Raffinerie war es der zweite Treffer in dieser Woche. Die anhaltenden ukrainischen Angriffe auf russische Energieanlagen verschärfen die Treibstoffkrise in Russland. Der weltweit drittgrößte Ölproduzent wird Insidern zufolge in diesem Monat Benzin auf dem Seeweg importieren müssen, um Engpässe zu vermeiden.
Infolge des Angriffs wurde auf dem Moskauer Autobahnring nahe der Raffinerie der Verkehr gestoppt. An den Moskauer Flughäfen wurde der Flugbetrieb aus Sicherheitsgründen eingestellt. Am größten Airport Scheremetjewo im Nordwesten der Stadt suchten Menschen in Parkhäusern Schutz, wie die Flughafenverwaltung mitteilte. In sozialen Medien kursierten zahlreiche Videos von Augenzeugen der Angriffe. Regierungsnahe russische Blogger forderten, das Filmen ukrainischer Drohnenangriffe zu bestrafen.
Neben Moskau hat die Ukraine bei ihren Drohnenangriffen auch weitere russische und von Russland kontrollierte Regionen ins Visier genommen. Einen Toten gab es in der Grenzregion Belgorod, zudem mehrere Verletzte in Belgorod, Kursk, aber auch dem von Russland besetzten Teil des ukrainischen Gebiets Donezk.
Was will Ukraine damit erreichen?
Die Ukraine hat ihre Drohnenangriffe auf russische Raffinerien deutlich intensiviert. Die Angriffe richten sich vor allem gegen Raffinerien, die Benzin, Diesel und Flugtreibstoff für den russischen Binnenmarkt produzieren. Ziel ist es weniger, Russlands Ölexporte zu stoppen, sondern vielmehr die inländische Treibstoffversorgung zu beeinträchtigen, wirtschaftlichen Druck aufzubauen und die Auswirkungen des Krieges innerhalb Russlands spürbarer zu machen. Geringere Raffineriekapazitäten bedeuten weniger Benzin und Diesel für Wirtschaft, Militär und Bevölkerung. Laut dem Experten Sergey Vakulenko könnte die Strategie darauf abzielen, den Russen die Kosten und Folgen des Krieges vor Augen zu führen.
Wie rechtfertig Selenskij den Angriff auf die russische Raffinerie?
Selenskij bestätigte in sozialen Netzwerken die Attacke auf die Raffinerie. Er bezeichnete den Angriff als Teil der ukrainischen „Langstrecken-Sanktionen“. Er dankte den ukrainischen Geheimdiensten für den Angriff. Die Anlage sei ein für die russische Kriegsmaschinerie wichtiges Objekt gewesen, schrieb er.
Laut Selenskij seien die nächtlichen Angriffe der Ukraine eine Reaktion auf einen russischen Angriff in dieser Woche auf Kiew gewesen, bei dem zehn Menschen getötet wurden und das zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Höhlenkloster Petscherska Lawra schwer beschädigt wurde.
Der Angriff auf die russische Hauptstadt fiel …read more
Source:: Kurier.at – Politik



