
Supergirl ist nicht nur die Cousine von Superman; Supergirl ist auch Partygirl. Schon morgens trägt sie Sonnenbrille, um ihre vom Nachtleben geröteten Augen zu schonen. Ihre besten Freunde sind der flauschige Hund Krypto und die Whiskey-Flasche. Nicht selten trifft man sie angerauscht und leicht zerrauft in einer intergalaktischen Kneipe, wo sie ihre Shots kippt und mit Walkman auf dem Kopf tanzt. Wohnhaft in einem abgeranzten Raumschiff, wirkt Supergirl manchmal etwas schläfrig, doch sollte man ihre Superkräfte nicht unterschätzen: Auch verkatert kann sie rote Blitze aus ihren Augen schleudern und mit geballter Girlpower zum Sturzflug ansetzen.
Nachdem „Guardians of the Galaxy“-Regisseur James Gunn und Produzent Peter Safran im Jahr 2022 Warners hauseigene Produktionsfirma DC-Studios übernahmen, wurde das DC Universe neu aufgestellt. Bereits mit David Corenswet als „Superman“ gelang 2025 ein Erfolgshit, in dem Supermans Cousine Supergirl allerdings nur einen Kurzauftritt hatte. Als Nachfolgefilm war ein anderes Projekt geplant, doch fiel die Entscheidung überraschend für „Supergirl“. Unter der Regie von Craig Gillespie gelang das erste Girl-Sci-Fi-Abenteuer zum rundum gelungenen Punk-Blockbuster mit Grunge-Rock-Feeling und Blondie-T-Shirt.
Der fixe Mix aus selbstironischem „Guardians of the Galaxy“-Pop(musik)-Humor, „Star Wars“-Action und unwirtlicher „Dune“-Landschaft, gepaart mit der lässigen Milly Alcock („House of the Dragon“) als cooler Riot-Grrrl-Rebellin, sorgt von Anfang an für beste Laune. Wiewohl Supergirl aka Kara Zor-El selbst – nicht zuletzt aufgrund ihres Alkoholkonsums – oft mürrisch gestimmt ist. Dementsprechend schwer geht ihr auch Cousin Superman mit seiner ewigen Heiterkeit auf die Nerven. Als er ihr von der Erde aus zum 21. Geburtstag gratulieren will, muss sie den Computer gleich wieder zuklappen.
Noch am selben Tag trifft Supergirl auf ein junges Mädchen namens Ruthye, das sich für den Tod ihrer Familie an dem Weltraumpiraten Krem rächen möchte. Supergirl ist vorerst an dem Rachefeldzug nicht interessiert, doch als der grimmige Krem mit einem Pfeil ihr Hündchen vergiftet und die Ampulle mit dem Gegengift provokant an seinem Hals baumelt, ändert sie ihre Meinung.
Mad-Max-Look
Im gemeinsamen Kampf gegen Krem nimmt das beflügelte Female-Buddy-Movie im bronzefarbigen Licht seiner Sci-Fi-Westernlandschaft flotte Fahrt auf. Besonders sehenswert ist der Belgier Matthias Schoenaerts als grimmiger Krem: Mit seinen ins Gesicht getackerten Metall-Nieten und den toten Ratten am Gürtel, erinnert sein postapokalyptischer Look an Mad Max, sein Akzent jedoch an einen russischen Bösewicht. An skurrilem Aussehen steht ihm „Aquaman“ Jason Momoa als Kopfgeldjäger Lobo um nichts nach. Lobo trägt eine Handgranate als Halskette und legt auch im Kampf gegen Krems Verbrecherarmee selten die glühende Zigarre zur Seite. Beschleunigte Weltraum-Action, gefühlvolle Rückblicke in Karas Backstory und gewitzter, verbaler Schlagabtausch fügen sich hochgradig unterhaltsam ineinander. Am Ende hat sogar Supergirl gute Laune; sie ist eben doch mit Superman verwandt.
INFO: USA 2026. 107 Min. Von Craig Gillespie. Mit Milly Alcock, Eve Ridley, Jason Momoa.
Source:: Kurier.at – Kultur



