
Wer die WM im TV verfolgt, sieht Andreas Herzog (57) und Marc Janko (43) in die Kamera lächeln. Die beiden Ex-Teamspieler sind als Experten für den ORF bzw. ServusTV im Bilde. Im gemeinsamen Interview erzählen sie von den Tücken ihres Jobs.
KURIER: Wie gestaltet sich Ihre Arbeit bei der WM?
Herzog: Spannend! Ich war als Spieler und Trainer bei einer WM, jetzt als Experte. Die ersten Tage waren interessant: Ich bin hergekommen, da war ein Trainingsspiel hinter verschlossenen Türen und dann ein freier Tag. Das war wenig, weil es viele brennende Fragen gegeben hätte.
Janko: Ich bin dankbar, das erleben zu dürfen auf dieser Bühne. Und ich sehe jetzt, wie schwer dieser Job sein kann.
Wie sieht die Vorbereitung aus, speziell auf Österreichs Gegner?
Herzog: Jordanien war einfach, weil ich vor zwei Jahren noch als Co-Trainer von Südkorea zwei Mal gegen sie gespielt habe. Vor Algerien musste ich mich konkreter einlesen, im Flieger nach Kansas City. Ich habe auch beide Matches von ihnen gesehen, dazu bekommen wir viele Daten. Ich möchte aber nicht so viele Statistiken erzählen, sondern auf das Spiel eingehen.
Verlassen Sie sich auch auf Ihr Auge und die Erfahrung?
Herzog: Sicher. Wenn ich 50 Statistiken erhalte, suche ich mir drei bis vier heraus. Ein wenig bereite ich mich wie ein Trainer auf ein Spiel vor.
Janko: Ich mache es ähnlich. Ich habe ein Spiel von Algerien zugeschickt bekommen, das schau’ ich mir als Vorbereitung an. Bei Sky in der Bundesliga ist es anders. War ich am vorigen Wochenende im Studio, bin ich im Thema drinnen. Wenn nicht, dauert die Vorbereitung länger. Vor dem Spiel gegen Jordanien habe ich mich richtig einlesen müssen.
Welche Tücken hat der Job?
Herzog: Wichtig ist, dass du die Spielernamen richtig aussprichst. Marc spricht perfekt Französisch, tut sich da bei vielen Namen leichter.
Janko: Wenn du Dinge als Experte falsch aussprichst, folgt Kritik. Viele Leute spielen die Sprachpolizei. Ich habe den Anspruch, alles richtig auszusprechen, habe aber auch kein Problem damit, wenn einmal ein Name nicht perfekt rüberkommt.
Was an Ihrer Arbeit haben Sie unterschätzt?
Janko: Es geht viel um Kritik. Ich war bis Mitte 20 ein echtes Vaserl, konnte mit Kritik nicht umgehen. Jetzt hat mir Rainer Pariasek erzählt, dass ihn einmal meine Mutter angerufen hat, weil er mich kritisiert hatte. Sie hat es gut gemeint, aber hätte ich das damals gewusst, ich hätte mich geniert.
Herzog: Für mich zählt, dass die Spieler in erster Linie Menschen sind. Bei einem Fehler spreche ich die Situation an, aber es geht nie gegen den Menschen. Die Herausforderung ist es, die richtige Balance zu finden, damit die Kritik nicht unnötig hart wird. Schon gar nicht unter der Gürtellinie ist.
Wird es schwerer, wenn man Spieler persönlich kennt?
Herzog: Sicher. Alaba und Arnautovic hatte ich im U-21-Team als kleine Gfraster. Jetzt stehen sie da als Rekordtorschütze und Spieler von Real Madrid. Da bist du auch stolz und wirst vielleicht nicht so harsch kritisieren.
Gab es eine Situation, in der Sie zu weit gegangen sind?
Janko: Mir fällt da eine Geschichte ein bei Sky. Damals gab es eine Situation mit einem VAR, die mir völlig …read more
Source:: Kurier.at – Sport



