U-Ausschuss: Privatgutachter und die Leichenfotos

Politik

Die Bilder sind unscharf, nur Kopien aus dem Obduktionsakt – und der ist eigentlich schon geschlossen: Die Staatsanwaltschaft Eisenstadt hat das Verfahren rund um die Todesumstände von Ex-Sektionschef Christian Pilnacek eingestellt, weil es keine Hinweise auf ein Fremdverschulden gab.

Die FPÖ will die Leichenbilder trotzdem noch einmal hervorziehen: Und zwar, um sie zwei Privatgutachtern zu zeigen, die heute, Mittwoch, und am Donnerstag im U-Ausschuss auftreten. Der Innsbrucker Gerichtsmediziner Stefano Longato und sein Berliner Fachkollege Michael Tsokos haben für das Buch von Ex-Grün-Politiker Peter Pilz, das im Februar 2025 erschienen ist, Stellungnahmen verfasst – allein auf Basis des offiziellen Obduktionsgutachtens.

Stufe 3, „geheim“

Pilz versucht seit Längerem, an die Leichenfotos heranzukommen; angeblich, um sie von seinen Privatgutachtern prüfen zu lassen. Weil Tsokos und Longato im Verfahren aber keine Parteienstellung hatten, hat die Staatsanwaltschaft einen entsprechenden Antrag des Anwalts von Pilnaceks Freundin Karin Wurm (der auch Pilz’ Anwalt ist) abgelehnt.

Nun will also die FPÖ den Pilz-Gutachtern die Fotos, die postmortale Persönlichkeitsrechte berühren, vorlegen.

Das geht aber nur unter eingeschränkten Bedingungen: Die Fotos wurden dem U-Ausschuss mit der Klassifizierungsstufe 3 („geheim“) geliefert – das heißt, dass sie von Mandataren nur in einem abhörsicheren Raum im Parlament angeschaut werden dürfen, Kopien sind nicht erlaubt, Handys müssen draußen bleiben.

Den beiden Gerichtsmedizinern könnten die Fotos ebenfalls in diesem Raum gezeigt werden, die Abgeordneten könnten dann Fragen stellen. Die Medienöffentlichkeit müsste von ihren „Blitzgutachten“ ausgeschlossen werden.

Laut FPÖ-Fraktionschef Christian Hafenecker ist das aber noch nicht fix. „Wir schauen einmal, wie weit wir mit den Befragungen kommen“, sagt er zum KURIER. Fragen will er die Gutachter, wie sie zu ihren Feststellungen gekommen seien.

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Verschwörungstheorien

Die Neos boykottieren die Auftritte: Fraktionschefin Sophie Wotschke kündigte an, sich an den Befragungen von Tsokos und Longato nicht zu beteiligen, weil sie als Privatgutachter ohne behördlichen Auftrag ohnehin keinen Beitrag zum Untersuchungsgegenstand leisten könnten.

„Ein U-Ausschuss ist kein True-Crime-Podcast“, sagt Wotschke, die befürchtet, dass die Befragung bereits widerlegte Spekulationen und Verschwörungserzählungen weiter befeuern könnte – „zum Schaden des wichtigsten Kontrollinstruments des Parlaments“. Der Fokus des U-Ausschusses liege auf Missständen in der Verwaltung und der politischen Verantwortung, und nicht auf der Klärung der Todesumstände.

Gerichtsmedizinerin Elke Doberentz, die die Stellungnahmen von Tsokos und Longato, aber auch das offizielle Obduktionsgutachten analysiert und für Staatsanwaltschaft Eisenstadt ein „Obergutachten“ erstellt hat, wurde von der FPÖ übrigens noch nicht in den U-Ausschuss geladen.

Die Direktorin des Instituts für Gerichtsmedizin der Universität Innsbruck fand keine Hinweise auf Fremdverschulden oder einen Unfall und ging „am ehesten von einem suizidalen Ertrinken“ aus. Zwar steht ihr Name auf dem Ladungsverlangen, ob Doberentz tatsächlich geladen wird, ist offen (mehr zu den Ladungen im Herbst siehe rechts).

Seriöse Aufklärung

Für ÖVP-Fraktionschef Andreas Hanger stellen die Ladungen der beiden Privatgutachter einen „neuen Tiefpunkt“ dar – es sei „bezeichnend, dass die FPÖ mittlerweile zum parlamentarischen Verlängerungsarm von Peter Pilz geworden ist“. Mit seriöser Aufklärungsarbeit habe das nichts mehr zu tun, so Hanger.

Die SPÖ hält die Überlegungen der Neos für „in Ordnung“, will den beiden Fachleuten aber trotzdem einige Fragen stellen.

Die grüne Mandatarin Nina Tomaselli wollte sich auf KURIER-Anfrage als Einzige nicht äußern.

Nach Tsokos ist am Donnerstagnachmittag doch noch …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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