
Die österreichischen Anleger haben derzeit ein gutes Händchen, was Veranlagungen betrifft. Denn sie investieren primär in jene Aktien, die seit geraumer Zeit enorme Kurszuwächse zu verzeichnen haben.
Konkret belegen bei einer Auswertung der Wertpapierdepots der rund 420.000 Kunden des deutschen Direktbrokers flatex die ersten sechs Plätze große US-Techkonzerne mit dem Chiphersteller Nvidia klar in Front (siehe Grafik). Unter den Top-15-Werten sind auch fünf österreichische Unternehmen zu finden. „In Österreich gibt es eine große Neigung zum Heimatmarkt, rund 50 Prozent der Depotvolumina entfallen auf das Heimatland“, sagt flatex-Österreich-Chef Tobias Spreiter.
Hinsichtlich Veränderungen im ersten Halbjahr 2026 zum Vorjahreszeitraum zeigt sich laut Spreiter, dass die österreichischen Kunden zwar inzwischen verstärkt internationaler investieren. Dennoch: Nur die deutsche Allianz Versicherung sowie Siemens Energy sind die einzigen Titel unter den Top-15, die nicht aus den USA oder Österreich kommen.
Das über die analysierten Depots verwaltete Vermögen stieg der Auswertung zufolge binnen eines Jahres von rund 11 Mrd. Euro auf über 16 Mrd. Euro. Rund 1,7 Mrd. Euro davon würden auf Wertzuwachs entfallen. Gleichzeitig erhöhte sich die durchschnittliche Depotgröße von rund 32.000 Euro auf etwa 39.000 Euro je Anleger.
Darüber hinaus würden Österreicher mehr auf Investmentfonds bzw. ETFs setzen als Kunden aus den 15 anderen Ländern. Deren Anteil liege bei 59 Prozent, Aktien machen 38 Prozent aus, Kryptos nur 0,5 Prozent. „In Österreich wird konservativer veranlagt, vielleicht aber auch schlauer, weil das Depot besser diversifiziert ist“, sagt flatex-CEO Oliver Behrens bei einem Besuch in Wien.
Keine Zinsen
Auffällig sei auch die Entwicklung der Liquidität, so Spreiter. Während das in Wertpapieren investierte Vermögen inzwischen rund 15,5 Milliarden Euro beträgt, befinden sich lediglich knapp 900 Millionen Euro auf den Verrechnungskonten. Die Cash-Quote sank im Jahresvergleich von rund 6 Prozent auf gut 5 Prozent. „Die Daten deuten darauf hin, dass Anleger einen größeren Teil ihres Vermögens langfristig investiert halten und weniger Kapital an der Seitenlinie parken“, sagt Spreiter.
Zinsen zahlt flatex nicht. „Wir wollen ja Wertpapiere promoten und nicht Cash“, sagt Behrens. Mitbewerber würden zwar Zinsen zahlen, aber nur für vier Monate bis zu einem Jahr, danach gebe es ohne aktives Zugehen auf den jeweiligen Anbieter nichts mehr.
Auch die Handelsaktivität nahm Spreiter zufolge zu. Im Juni 2025 wurden rund 560.000 Transaktionen durchgeführt. Ein Jahr später waren es bereits mehr als 710.000 Trades. Im Durchschnitt handelt ein österreichischer Anleger rund 22 Mal pro Jahr. „Die Daten sprechen damit für regelmäßiges Investieren statt kurzfristiger Spekulation“, so Spreiter.
Die Zahl weiblicher Anleger stieg binnen eines Jahres von rund 92.000 auf 114.000. Der Frauenanteil liege damit bei gut 27 Prozent.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



