Wie Elon Musk einen Selbstjustiz-Film bewirbt – und Beifall von Rechts erntet

Kultur

Wenn man den Namen Uwe Boll googelt, stößt man immer wieder auf die Beschreibung „schlechtester Regisseur aller Zeiten“. Der deutsche Filmemacher, 1965 geboren, blickt auf ein mehr als 50 Titel umfassendes Œuvre, das sich durch Brutalität, Trash-Ästhetik und vernichtende Kritiken auszeichnet. Darunter die Verfilmung der Vampir-Videospiel-Reihe „BloodRayne“, der Film „Auschwitz“ mit Boll in der Rolle eines SS-Manns oder „Hanau“ über den rassistischen Anschlag von 2020, den er gegen den Wunsch von Angehörigen der Opfer verwirklicht hat. Bereits 2009 bekam Boll die „Goldene Himbeere“ für das „schlechteste Lebenswerk“.

Mit seinem neuesten Film aber hat der Regisseur nun ein Millionenpublikum erreicht: In „Citizen Vigilante“ macht ein gut bewaffneter US-Amerikaner Jagd auf Migranten, nachdem er den Behörden Untätigkeit in Sachen Kriminalitätsbekämpfung attestiert hat. Der Schauplatz ist mit „Europa“ nicht näher definiert. Die Zielscheibe: u. a. eine syrische Familie, deren Sohn an einer Gruppenvergewaltigung beteiligt war. Der Selbstjustizler erschießt am Ende nicht nur den Täter, sondern auch gleich die Eltern und die Schwester.

Für die Hauptrolle hat Boll niemand geringeren als Armie Hammer („Call Me By Your Name“) engagiert – der US-Schauspieler sah sich 2021 mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs und der Kannibalismus-Fantasien konfrontiert. Eine Anklage wurde nicht erhoben, seine Karriere war vorbei. Hammers Comeback-Versuch erreicht nun große Aufmerksamkeit – allerdings nicht aufgrund der künstlerischen Qualität des Films.

„Sinnlos brutal“

Das US-Magazin Variety bezeichnet „Citizen Vigilante“ als „gewalttätiges, inkohärentes, moralisch bankrottes Stück Exploitation-Kino“. Der britische Guardian sieht darin einen „sehr billigen, zusammenhanglosen und peinlich schlecht gespielten Schundfilm“. Die deutsche Zeit schreibt: „Der Film ist rundum zynisch, haltungslos, xenophob und sinnlos brutal, also gerade so, wie man es von Uwe Boll kennt.“ Und die Süddeutsche Zeitung titelte: „So sieht also ein rechtsextremer Blockbuster aus“.

  So schön ist die Verfassung gar nicht

Während der Film in den USA und Kanada am 19. Juni in einigen Kinos angelaufen ist, gab es in Deutschland jedoch keinen regulären Kinostart. Denn „Citizen Vigilante“ hat von der Freiwilligen Selbstkontrolle (FSK), die Altersfreigaben festlegt, kein Kennzeichen (KK) bekommen. Das ist etwa bei Filmen, „die ein Maß an Gewaltdarstellungen aufweisen, das als jugendgefährdend einzustufen ist“, der Fall, wie auf der Webseite der FSK nachzulesen ist. 

In Kinos können Filme ohne Kennzeichen Erwachsenen vorgeführt werden, allerdings auf eigenes rechtliches Risiko: „Kommt ein Gericht zur Auffassung, dass es sich um einen schwer jugendgefährdenden Film handelt, sind unter anderem Werbung und Ankündigung gesetzlich verboten und strafbar.“ Der Film wurde also nicht per se verboten, seine Verbreitung ist durch das KK-Label jedoch stark eingeschränkt.

Hilfe via X

Grund für Unmut bei Boll, der seinem Ärger über die Entscheidung der FSK öffentlich Luft machte: In einem Gastbeitrag in der Berliner Zeitung ortete er eine „politisch motivierte Entscheidung“. Und wandte sich auf der Social-Media-Plattform X mit einem kurzen Video auf Englisch an deren Chef Elon Musk: „Das ist genau dein Film. Schau ihn dir an und gib ihm eine Chance“, sagte Boll da.

Der Film zeige „die Verbrechen von Migranten in Europa“ und „dass wir uns in einer existenziellen Krise befinden – genau wie du es die ganze Zeit sagst.“

Und Musk, der beständig mit migrantenfeindlichen Rechtsaußen-Positionen auffällt, wollte sich nicht nur selbst ein Bild davon …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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