Tschechisches Finale in Wimbledon: Was können wir vom Nachbarland lernen?

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Eigentlich ist es keine Sensation, eigentlich ist es nichts Außergewöhnliches, dass sich zwei Tschechinnen im Wimbledon-Finale gegenüberstehen. Auch wenn es für Karolina Muchova und Linda Noskova das erste ist im All England Lawn Tennis and Croquet Club. 

Abgesehen von großen Damen wie Martina Navratilova, Jana Novotna und Weltklasse-Männern wie Ivan Lendl oder Tomas Berdych und viele mehr zeugen auch die vergangenen Jahre von einer enormen Präsenz von Tschechinnen in Wimbledon: 2011 und 2014 gewann jeweils Petra Kvitova, 2023 Marketa Vondrousova, ein Jahr später jubelte dann Barbora Krejcikova als bislang letzte Tschechin auf dem „heiligen Rasen“. 

Doch warum ist unser Nachbarland so stark, was kann sich Österreich abschauen?

Für Richard Grasl, seit April Präsident des Österreichischen Tennisverbandes (ÖTV), ist alles keine Frage des Geldes: „Tschechien zeigt, dass Tennis-Weltklasse ein Systemthema ist — und dass man dafür nicht mehr Geld braucht, sondern klügere Strukturen“, sagt Grasl. 

„Das Land hat zehn Millionen Einwohner, steht heute mit zwei Spielerinnen im Wimbledon-Finale, dazu kommen viele weitere Top 50-Spieler bei Frauen und Männern. Das Erfolgsgeheimnis ist ein dichtes Clubnetz mit hoher Trainerqualität, viel Matchpraxis von klein auf — und eine Kultur, in der Kinder-Tennis nicht als Pflicht, sondern als Identität erleben“, erklärt der Niederösterreicher, der weiß, wo der Hebel anzusetzen ist. 

„Genau das wollen wir in Österreich aufbauen: bessere Leistungszentren, eine einheitliche Trainerphilosophie, und eine Förderlogik die Potenzial belohnt statt Ranglisten verwaltet. Die Ressourcen haben wir — jetzt brauchen wir die Konsequenz.“

„Die Ressourcen haben wir — jetzt brauchen wir die Konsequenz.“

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Richard Grasl, ÖTV-Präsident

Vor allem bei den Trainern sieht Günter Bresnik, die Nummer eins im Lande in diesem Metier, großen Aufholbedarf. „Die Trainer, die in Tschechien arbeiten, haben vor allem in den Clubs eine andere Form der Ausbildung, auch was die Spielweise betrifft“, sagt der ehemalige Thiem- und Becker-Trainer. „Es gibt in Österreich wenig bis gar keine Trainer, die sich vorstellen können, was notwendig ist, was einem Spieler entwicklungsentsprechend beigebracht werden muss.“ Bresnik spricht vor allem an, dass die Trainer in Tschechien Spieler von Kindesbeinen an betreuen und wissen, was in jedem Alter notwendig ist.  

Auch die ÖTV-Frauenchefin Marion Maruska weiß, warum das Nachbarland uns voraus ist. „In Tschechien sind die Clubs sehr stark, dadurch ist die Konkurrenz hoch. Dadurch, dass auch sehr viele ehemalige Profispieler und Spielerinnen in den Vereinen sind,  ist die Vorbildwirkung groß. Bei den Mädchen bzw. Damen sind von der U12 weg durchgehend die Tschechinnen bei den Turnieren bzw. Cups ganz vorne dabei und sie haben eine wirklich gute Dichte, auch wenn gerade keine Tschechin in einem Grand Slam Finale ist, haben sie immer gute Spielerinnen“, sagt die ehemalige Profi-Spielerin. 

„Gesamt gesehen gilt es sicherlich, die Konkurrenz zu fördern und die Besten immer wieder gegeneinander und internationale Turniere spielen zu lassen, dass sie sich an den Besten orientieren können.“

Marion Maruska, ÖTV-Frauenchefin

 „Die Tschechen spielen schon in jungen Jahren auf hohem Niveau, weil sie auch die Dichte haben. Durch das andere Schulsystem spielen die Mädchen in jungen Jahren einfach schon mehr und nehmen an Turnieren teil.“ Was man mitnehmen kann?  „Gesamt gesehen gilt es sicherlich, die Konkurrenz zu fördern und die …read more

Source:: Kurier.at – Sport

      

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