Nolans „Odyssee“: Teures Meisterwerk mit atemberaubenden Bildern

Kultur

Von Gabriele Flossmann

Kaum ein Film in diesem Jahr wurde mit so großer Spannung erwartet wie Christopher Nolans Adaption von Homers antikem Epos „Die Odyssee“. Und kaum einem ging eine so breite Welle an Ablehnung in den sozialen Medien voraus. Schließlich ist der britische Regisseur ebenso berühmt wie berüchtigt für aufwendig inszenierte Großproduktionen und komplexe Erzählstrukturen. Und davon bietet die „Odyssee“ einiges.

Absage

Mit all den Kriegern und Königen, den Göttern und Monstern, gegen die der Seefahrer ankämpfen muss, enthält sie auch reichlich Stoff für Fantasy-Horrorszenarien, wie sie gerade im zeitgenössischen Hollywood-Kino fröhliche Urständ’ feiern. Diesen Erwartungen hat Christopher eine Absage erteilt, indem er den antiken Stoff als epische Reiseerzählung inszenierte.

Wer die Handlung nicht kennt: Der griechische Held Odysseus begibt sich nach dem Trojanischen Krieg auf eine lange Heimreise, die zur Irrfahrt wird. Dort begegnet er gefräßigen Zyklopen, betörenden Sirenen und anderen mythologischen Kreaturen. In der Zwischenzeit versuchen seine Widersacher, die Macht in seiner Heimat Ithaka an sich zu reißen und seine Ehefrau Penelope zu einer Heirat zu zwingen. 

Den Titelhelden, der versucht, nach der geschlagenen Schlacht in seine griechische Heimat zurückzukehren, wo Anne Hathaway als Penelope auf ihn wartet, spielt Matt Damon mit grimmiger Überzeugung.

Und Tom Holland ringt als Sohn Telemachos damit, auch ohne väterliches Vorbild ein richtiger Mann zu werden.

Obwohl öffentlich erklärt wurde, dass keine „Influencer“ den Film vorab sehen würden, war die Debatte über Nolans „Odyssee“ schon vor dem Kinostart in vollem Gange. Die Voraus-Kritik ging sogar so weit, dass Wolfgang Petersens rund zwei Jahrzehnte zurückliegende Homer-Verfilmung „Troja“ (2004), die lose auf der „Ilias“ basiert, in den sozialen Medien bereits als bessere Umsetzung eines antiken Stoffs gepriesen wurde. Zumindest was die Besetzung betrifft. Brad Pitt entspricht als Achilles offenbar eher dem Sozial-Media-Bild eines griechischen Helden als Matt Damon. 

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Dazu kamen konservative Befürchtungen, der Film könnte zu „liberal“ sein, weil Nolan den Transgender-Schauspieler Elliot Page und den Rapper Travis Scott in „männlichen“ Rollen besetzte. Entrüstung erntete auch die Besetzung der Rolle der Helena von Troja mit der kenianisch-amerikanischen Schauspielerin Lupita Nyong’o.

Nicht pompös

Ein weiterer Aufreger ist die zeitgenössische Sprache, in der sich die antiken Helden unterhalten. Ist es doch ein althergebrachtes Hollywood-Klischee, dass schwertschwingende Griechen und Römer – ähnlich wie Zauberer, nordische Götter und sogar einige Nazi-Offiziere – pompös klingen sollen.

Erhebt sich die Frage: Und wie ist er wirklich, der Film? Gleich vorweg: Er zählt zu den besten Werken von Nolan. Sein Odysseus kommt als überraschend moderner (und weniger verzweifelter) Nachfolge seines „Oppenheimer“ daher. Odysseus muss gegen die Hybris kämpfen, mit seinem Widerstand gegen die Götter die Zivilisation ins Verderben gestürzt zu haben.

Bei Oppenheimer war es die Erfindung der Atombombe, die unsere Zivilisation bis heute bedroht. Abgesehen vom modernen Kontext besticht Nolans Film auch durch schauspielerische Leistungen und durch die atemberaubenden Bilder, in die er die Schönheiten und Schrecknisse der griechischen Mythologie umgesetzt hat.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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