Protein-Hype: Wie mit Eiweiß Milliarden gemacht werden und Preise explodieren

Wirtschaft

Selbst Frühstückscerealien für Kinder kommen jetzt mit einer Extraportion Eiweiß. Ob Salami-Sticks, Schokoriegel oder die klassische Milch – in fast jedem Supermarktregal wird neuerdings der Proteingehalt hervorgehoben (siehe Slideshow unten). Einige der Produkte enthalten von Natur aus Protein, neu ist nur, dass exzessiv damit geworben wird. Andere werden damit angereichert, um sich die Kennzeichnung „High Protein“ zu verdienen. Denn diese entscheidet aktuell, wonach Kunden greifen und wo Umsätze gemacht werden.

Hohe Nachfrage nach Eiweiß: Der Lebensmittelhandel reagiert

„Protein bleibt Wachstumstreiber im Lebensmittelhandel und der bestimmende Ernährungstrend“ schreibt die RollAMA in ihrer Marktanalyse 2026. Der Konsum von Fleischprodukten und Eiern hat zugelegt. Einen regelrechten Boom gibt es bei Milchprodukten wie Cottage Cheese und dem Joghurt-ähnlichen Frischkäse Skyr – dieser verzeichnet laut RollAMA ein Wachstum von zwölf Prozent. 

Der Handel reagiert, stockt das Sortiment auf und kreiert sogar neue Submarken mit Protein-Kennzeichnung, „um Kunden die Orientierung beim Einkauf zu erleichtern“, teilt etwa Spar auf Anfrage mit. Mehr als fünf Millionen Packungen Skyr der Eigenmarke hat Spar im vergangenen Jahr verkauft – es ist „das beliebteste Trendprodukt“. Bei Rewe hat sich der Skyr-Absatz binnen eines Jahres nahezu verdoppelt. Auch pflanzliche Alternativen wachsen zweistellig. Die Billa-Eigenmarken verbuchten bei Tofu und Tempeh im bisherigen Jahresverlauf ein Absatzplus von 26 Prozent. In Deutschland sind die Tofu-Regale leer gefegt, Engpässe gibt es seit Wochen.

Klar ist: Proteinreiches wird künftig nicht weniger, sondern mehr. Das bestätigt auch die Molkerei Nöm, die in Österreich mit der Marke „NÖM PRO“ marktführend im gekühlten Proteinsegment ist. „Was ursprünglich von vor allem sportlich aktiven Konsumentinnen und Konsumenten nachgefragt wurde, hat sich mittlerweile weit über die Sportnische hinaus entwickelt“, teilt Veronika Koch, Nöm-Marketingleiterin mit. „Protein-Produkte sind im Massenmarkt angekommen“, schlussfolgert sie. Und auch Marketing-Expertin Cordula Cerha von der Wirtschaftsuni Wien ist überzeugt, dass der Protein-Trend weit größer ist als kurze Produkthypes wie Dubai-Schokolade.

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„Hinter dem Mikrotrend Protein steht der Makrotrend zur gesunden Ernährung und der Megatrend Longevity (Langlebigkeit, Anm.).“ Nach dem Vormarsch der Abnehmspritze habe außerdem das Thema Gewichtskontrolle wieder an Bedeutung gewonnen. Was dabei unterstützen kann? Protein – und zwar in ungeheuren Mengen. Das propagieren zumindest zahlreiche Lebensmittelproduzenten und Influencer – und lassen den Markt für Proteinpulver weltweit explodieren.

Ansturm auf Protein trotz stolzer Preise

Die deutsche Fitnessmesse Fibo verzeichnete heuer im April einen neuen Besucherrekord. Über 175.000 Gäste strömten die Kölner Hallen. Die größte Anziehungskraft übte die Quality Group mit ihren Marken ESN und More Nutrition aus. Beide finden sich längst nicht nur online, sondern auch im österreichischen Drogerie- und Lebensmittelhandel. Ihr Regalplatz wächst unübersehbar, kurzzeitig schafften es die More-Produkte für ein Event mit internationalen Superstars sogar ans Frühstücksbuffet des Tiroler Stanglwirts.

Über eine Milliarde Euro soll die Quality Group mittlerweile mit ihren Proteinpulvern und Riegeln pro Jahr umsetzen. Soeben wird in Schleswig-Holstein eine neue Produktions- und Lagerimmobilie mit 23.000 Quadratmetern Fläche fertiggestellt. Die neuesten Proteinpulver von More – Protein Iced Matcha Latte Cherry Mochi und Protein Iced Coffee Banana Cloud – die diese Woche gelauncht wurden, waren binnen vier Minuten ausverkauft. Christian Wolf, einer der Unternehmensgründer, hält als Beweisstück eine Statistik von 80.000 Bestellungen auf Tiktok …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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