
von Gabriele Flossmann
Die klassischen Spielzeughelden – allen voran Woody und Buzz Lightyear – müssen sich in „Toy Story 5“ mit moderner Technologie und digitalen Geräten auseinandersetzen, die ihnen mehr und mehr Konkurrenz machen. Als die inzwischen acht Jahre alte Bonnie zu schüchtern ist, um mit den Zwillingsbuben von nebenan zu spielen, besorgen ihr die Eltern ein froschförmiges Tablet namens Lily. Damit, so hoffen sie, kann ihr Töchterchen mittels Freundschaftsanfragen doch noch an menschliche Spielkameraden herankommen.
Aufruhr im Kinderzimmer
Das neue Gerät sorgt für Aufruhr in der klassischen Spielzeug-Mann-und-Frauschaft. Vor allem Jessie, die burschikose Cowgirl-Puppe, wirft sich recht forsch in den Kampf gegen den digitalen Vormarsch im Kinderzimmer. Sie will alles daransetzen, um Bonnie zu zeigen, worauf es beim Spielen wirklich ankommt. Ihr Feldzug gegen KI und Co. macht etwa zwei Drittel des Films aus.
Das restliche Drittel der Handlung dürfen die „Toy-Story“-Pioniere Woody und Buzz unter sich ausmachen. Die Handlung greift die frühere freundschaftliche Rivalität der beiden Macho-Spielzeuge auf und thematisiert ihre seelischen(?) Nöte: So ist Buzz zu nervös, um Jessie einen Heiratsantrag zu machen, und Woody, der vom Jahrmarkt zurückgekehrt ist, kämpft gegen Altersprobleme. Wie fühlt es sich an, wenn ein Spielzeug alt wird? Dazu gibt es ein paar Gags, die sich über Woodys Gewichtszunahme und seine glänzende Glatze lustig machen.
Generationenfrage
Mit diesem Setting trifft der fünfte Teil dieser erfolgreichen Animationsserie wohl eher die Ängste einer älteren Generation angesichts ihrer scheinbar an digitale Influencer verlorenen Enkel als die Befindlichkeiten des jungen Publikums.
Und in ihren Predigten darüber, was „das Beste“ für das Menschenkind Bonnie sei, klingt Jessie nicht wie das kesse Cowgirl, als das sie einst zu den Toys dieser Pixar-Reihe gestoßen ist, sondern eher wie eine wohlmeinende Großmutter, die den Anschluss ans digitale Zeitalter verpasst hat.
Dass die Warnungen vor einer computergesteuerten Welt von einer Firma kommen, die einst selbst die Handzeichnungen ihrer Filme durch digitale Animationen ersetzt hat, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Denn diese Haltung macht „Toy Story 5“ so altmodisch wie das Spielzeug, um das es geht.
Allerdings werden tiefer schürfende Aussagen zur Frage, wie wir ein Gleichgewicht zwischen Technologie und organischem Leben finden können, tunlichst vermieden. Was bleibt, ist ein harmloser, gut gemachter Animationsfilm. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
INFO: USA 2026. Von Andrew Stanton.
Source:: Kurier.at – Kultur



