KURIER-Nachruf auf Bonnie Tyler: Totale Finsternis ums Herz

Kultur

Der größte Pinsel, sagt das Guinness Buch der Rekorde, ist 11,5 Meter lang.

Noch größer aber sind die musikalischen Pinselstriche, mit denen Jim Steinman Bonnie Tylers größten Hit komponiert hat: „Total Eclipse Of The Heart“ ist die Kaiserin aller Powerballaden, ein Sturm auf immer neue Gipfel des Bombasts, ein Lied für die Ewigkeit – und für jene Momente, in denen man wirklich sehr traurig ist, dazu aber die Faust recken und mit dem Kopf Bewegungen nahe am Headbangen machen will.

1983 erschienen, hat der Song bereits Generationen von Liebeskummerkranken zur Emotionsbewältigung verholfen (und in Wien auch die Musicalfreunde angelockt, als musikalischer Steinbruch, aus dem „Tanz der Vampire“ gehauen wurde).

Zum Kult wurde er wegen einer Sängerin, die als Tochter eines Minenarbeiters aus Wales auszog, um zum Weltstar zu werden, mit einer Stimme, die aus dem selben knirschenden Schotter gehoben wurde wie jene von Rod Stewart.

Bonny Tyler hat sich mit drei großen Hits – „It’s A Heartache“, „Total Eclipse“ und „Holding Out For A Hero“ – als sympathischer, immer bodenständiger Fixstern im Popgeschäft etabliert und vielen Menschen in die Herzen gesungen.

Und sie hat mit dem Video zu „Total Eclipse“ auch die große Zeit der liedbegleitenden Filmkunst mitbestimmt: Fliegende Chorknaben mit leuchtenden Augen, mit Wasser angeschüttete Schönlinge in engen Badehosen und dazu die weiß gekleidete, gut geföhnte und große Gesten darbietende Sängerin – das war jene Art von üppiger visueller Eigenartigkeit, die MTV zu dem machte, was es wurde, nämlich das Lagerfeuer der Generation Pop.

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Dienstleistung am Fan

Die am 8. Juni 1951 als eines von sieben Kindern geborene Gaynor Hopkins war fasziniert von der glamourösen Glitzerwelt, in die sie sich als Bonnie Tyler emporgesungen hat. Sie hat aber auf sympathische Arte ihre Wurzeln nie vergessen – und ihre Karriere in den Dienst ihrer Fans gestellt. Bei ihren Konzerten gab sie ihren zahlreichen Anhängern das, was diese wollten: „Ich liebe diese alten Hits immer noch“, sagte sie einmal dem KURIER. „Die Leute erinnern sich an damals – es ist richtig schön nostalgisch.“

Weniger nostalgische Erinnerungen wird Meat Loaf immer dann gehabt haben, wenn er „Total Eclipse Of The Heart“ gehört hat: Denn eigentlich war der Song für ihn komponiert, er konnte ihn aber wegen Stimmproblemen nicht aufnehmen. „Was hätte ich machen sollen? Zu dieser grandiosen Melodie ,Nein’ sagen?“, sagte Tyler dem KURIER.

Zum Glück hat sie das nicht getan. Das Lied zählt zu den meistverkauften Songs der Popgeschichte, hat auf YouTube mehr als 1,3 Milliarden Streams, auf Spotify fast 1,2 Milliarden. Und es landete auf vielen, vielen Bestenlisten – wenn auch nicht immer mit schmeichelhaften Begleitworten: Der Rolling Stone etwa nannte ihn das „Power-Balladen-Armageddon“.

Tyler lebte zuletzt in Portugal. Dort ist sie im Mai schwer erkrankt, musste notoperiert werden und wurde für eine Zeit in ein künstliches Koma versetzt. Und in ihrer Wahlheimat ist sie nun 75-jährig verstorben. Im November hätte sie in Wien auftreten sollen.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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