Deutsches Hedgefonds-Wunderkind strauchelt wegen KI-Krise

Wirtschaft

Der viel beachtete Erfolgslauf eines aus Deutschland stammenden jungen Hedgefonds-Investors im Silicon Valley, der für seinen Fokus auf KI-Aktien als Börsenstar gefeiert wurde, hat ein jähes Ende gefunden. Nach dem jüngsten Kursrutsch bei Halbleiter-Papieren musste der Fonds Situational Awareness von Leopold Aschenbrenner den Großteil des Portfolios von Investments in börsennotierte Unternehmen mit Rabatt an den Hedgefonds Citadel des Milliardärs Ken Griffin abtreten.

Aschenbrenner bestätigte in einem Brief an seine Investoren, dass „ein Teil“ der Anteile an börsennotierten Unternehmen als Paket verkauft worden sei. Er übernehme die volle Verantwortung, schrieb Aschenbrenner in dem vom Silicon-Valley-Podcast TBPN veröffentlichten Brief. Zugleich versicherte er, dass der Fonds nicht geschlossen oder liquidiert worden sei. Sein eigenes Kapital sei auch in dem Fonds und er werde beweisen, dass die Ereignisse ihn zu einem klügeren Investor gemacht hätten.

Der Mittzwanziger Aschenbrenner machte erstmals vor rund zwei Jahren von sich reden. Er veröffentlichte ein Essay mit dem Titel „Situational Awareness“ (etwa: Wahrnehmung der Situation). Darin argumentierte er, dass Künstliche Intelligenz die Welt radikal verändern werde und die meisten sich dessen noch nicht bewusst seien. Wenig später startete er einen Hedgefonds unter demselben Namen mit dem Versprechen, in die Zukunft zu investieren.

Das ging auf der Welle des KI-Booms zunächst sehr gut. Situational Awareness investierte laut öffentlich verfügbaren Unterlagen in alles rund um KI – Infrastruktur, Chips, Energie für Rechenzentren. Dank kräftiger Kursanstiege wuchs das Portfolio von Situational Awareness laut US-Medienberichten von einigen hundert Millionen auf 45 Mrd. Dollar (39 Mrd. Euro) an. Andere Investoren kopierten Aschenbrenners Strategie, er wurde gefeiert als „Wunderkind“, „Orakel“ und „KI-Nostradamus“.

  Geldwäsche-Mängel: 145-Millionen-Strafe für bekannte Großbank

Auf Pump

Im Juli jedoch brachte die steile Talfahrt bei Halbleiter-Aktien Situational Awareness unter Druck. Das wäre an sich nicht katastrophal, doch CNBC zufolge hatte der Fonds in großem Stil auf Pump investiert und etwa viermal mehr geliehenes Geld als eigenes Kapital im Einsatz. Entsprechend hätten Banken gefordert, Sicherheiten nachzuschießen, wofür Situational Awareness plötzlich Geld finden musste.

Erschwerend kam hinzu, dass der Fonds auch noch mit sogenannten Leerverkäufen auf sinkende Kurse bei Aktien von Software-Firmen gewettet hatte, deren Geschäft von KI unter Druck gebracht wird. Bei solchen Deals werden geliehene Aktien verkauft in der Hoffnung, sie später zu niedrigeren Preise zurückzukaufen. Doch im Juli setzte bei Software-Aktien nach langer Talfahrt auch eine deutliche Erholung ein und damit drohten dem Fonds auch bei den Leergeschäften Verluste. Damit geriet Situational Awareness in die Zange.

Aschenbrenner betonte in seinem Brief, Situational Awareness sei seit Jahresbeginn gerechnet immer noch um 80 Prozent im Plus.

…read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.