
Gian Lorenzo Bernini (1598-1680) war einer der Architekten des Petersdoms in Rom und als Bildhauer für seine unglaublich lebendigen Skulpturen bekannt. Doch der Gigant des römischen Barock schuf auch zahlreiche Gemälde, die jedoch immer ein wenig im Schatten seines sonstigen Schaffens standen.
Eine Ausstellung im Kunsthistorischen Museum Wien will ab Dezember dieses Bild zurechtrücken – und lässt in der Fachwelt im Vorfeld mit einer Entdeckung aufhorchen: Wie das Art Newspaper zuerst berichtete, wurde ein Porträtgemälde eines Alten Mannes, das 1920 als Schenkung ins Museum gekommen war und seit 1989 im Depot lagerte, als Werk Berninis identifiziert. Der Künstler dürfte dieses in seiner Spätzeit um 1670 gemalt haben, wobei das Bildnis möglicherweise von anderer Hand vollendet wurde.
Diese Hypothese vertritt jedenfalls die KHM-Kuratorin Gudrun Swoboda, die das Gemälde bei einer Bestandsaufnahme römischer Barockgemälde entdeckte. In ihrem Katalogbeitrag, der dem KURIER vorliegt, fokussiert sie neben stilistischen Merkmalen, die einen Vergleich mit gesicherten Bernini-Werken nahelegen, insbesondere auf den Aufbau des Gemäldes.
Malender Bildhauer
Der Bildhauer Bernini sei auch beim Malen plastisch vorgegangen und hätte einzelne Gesichtspartien in verschiedenen Schichten – von unbemalt-grundierter Leinwand bis zu dicht aufgetragener Farbe – aufgebaut: „Die verschiedenen Bildschichten sind so etwas wie der Meeresgrund, der Wasserspiegel und einige Inseln“, heißt es in dem wissenschaftlichen Aufsatz. Diese Malweise würde das Porträt auch von anderen Künstlern unterscheiden, mit denen das Bild zuvor in Zusammenhang gebracht wurde.
Ein Freund, ein guter Freund…?
Wer in dem Bild dargestellt ist, konnte die Expertin nicht abschließend klären. Die lockere Darstellung des Mannes mit zerzaustem Haar wäre für eine „offizielle“ Porträtgalerie ungeeignet gewesen; Bernini war auch bekannt dafür, dass er nie Aufträge annahm und eher für sich selbst malte – er signierte seine Werke daher auch nie. Die dargestellte Person dürfte dahrer „dem künstlerischen und intellektuellen Umfeld Berninis angehören“, schreibt die Expertin. Dass das Bild relativ spät entstand – man nahm an, dass Bernini nach 1650 kaum noch gemalt hatte – spreche nicht gegen die Zuschriebung.Historischen Quellen zufolge soll es bis zu 200 Gemälde von Berninis Hand gegeben haben – nur wenige davon sind bis heute identifiziert.
Source:: Kurier.at – Kultur



