
„Das letzte halbe Jahr war nicht so gut und auch nicht das, was ich von mir selbst erwarte.“ Nikolaus Wurmbrand klingt für einen 20-Jährigen, der gerade ein sehr wichtiges Tor erzielt hat, abgeklärt, selbstkritisch und auch schon sehr erwachsen.
Rapid hatte in Edinburgh einen richtig guten Start, durch eine kurze Schwächephase ist das Play-off-Hinspiel aber Richtung Hearts gekippt.
Wurmbrand half als sofort sehr auffälliger Joker durch den Treffer zum 2:2 mit, eine gute Chance auf den Einzug in die Ligaphase der Conference League zu bewahren: „Ich spüre schon seit Wochen, dass die Form kommt. Auch wenn ich nicht immer von Anfang an dabei bin.“
Ende der Scorer-Flaute
Tatsächlich hatte der zweifache Teamspieler im Frühjahr keinen Scorerpunkt und vergab damit seine WM-Chance. In den vergangenen vier Wochen sind in vier Europacupspielen je zwei Tore wie Assists gelungen.
Dem gelernten Flügelstürmer – im Zentrum griff der Dribbler in seiner gesamten Karriere nur wenige Monate unter den Ex-Trainern Klauß und Stöger an – kommt entgegen, dass nach der Abkehr von der Dreierkette das Flügelspiel in dieser Saison wieder massiv forciert wird.
Harte Konkurrenz
Allerdings ist neben Dahl, der am ehesten Spiele entscheidet, auch die Konkurrenz um einen Startplatz auf den beiden Flügelpositionen deutlich stärker geworden: Techniker Yusuf Demir hat mittlerweile die besten körperlichen Werte im gesamten Kader, Aufsteiger Haidara hält bereits bei fünf Saisontoren und auch Tilio zeigt mit Verspätung doch noch, warum ihn 2023 Celtic gekauft hat.
„Ich möchte mich in einer sehr guten Mannschaft zurück in die Startelf spielen“, sagt Wurmbrand. Dort erwartet ihn auch Markus Katzer: „Von seinen Anlagen wie seiner Qualität sehe ich Niki mittelfristig in der Stammelf.“
Der Sportchef will das Frühjahrstief nicht überbewerten: „Es ist keine Überraschung, dass junge Spieler nach dem ersten Hoch mit Formschwankungen kämpfen. Jetzt sieht man, wie Niki Stärken wieder ausspielen kann.“
„Die klaren Trainer-Vorgaben tun uns gut“
Der Sprinter, der bereits vor zehn Jahren nach Hütteldorf kam, musste sich auch anpassen: Trainer Johannes Hoff Thorup setzt mehr als seine Vorgänger auf Dominanz. Deswegen fehlen öfters die freien Räume.
Seit Monaten arbeiten der Däne und sein Team daran, dass der Talentierteste aus dem Eigenbau auch im Kombinationsspiel auf engem Raum zulegt.
Wurmbrand ist vom Plan des Trainers überzeugt – und auch davon, dass es heuer keinen Einbruch wie 2025 geben wird: „Wir haben jetzt klarere Abläufe. Wir wissen genau, was wir mit und gegen den Ball tun sollen. Diese klaren Trainer-Vorgaben tun uns gut. Und wir kennen uns als Mannschaft viel besser.“
Vater Wurmbrand wechselt Berater
Aber wird Wurmbrand, dessen Vertrag ohne Ausstiegsklausel bis 2028 läuft, überhaupt bei dieser Mannschaft bleiben? Im Frühjahr beauftragte Wurmbrands Vater die Agentur Spocs (mit Sascha Empacher und pikanterweise ORF-Experte Helge Payer als Berater) damit, einen internationalen Millionentransfer vorzubereiten. Daraus wurde nichts.
Mittlerweile hat Papa Wurmbrand – ein erfolgreicher Anwalt – wieder selbst das Mandat übernommen und führt Gespräche mit einer großen deutschen Berateragentur.
Katzer erklärt im KURIER-Gespräch: „Das Interesse an Wurmbrand ist da, aber wir achten sehr auf die Kaderqualität.“
Kurzum: Wenn Rapid am Mittwoch Hearts besiegt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Nikolaus Wurmbrand noch länger bleibt, viel höher.
Source:: Kurier.at – Sport



