Merz war „nicht im Urlaub“ – aber im Amt war er auch nicht

Politik

Urlaub? Nein, so was gönnt sich einer wie Friedrich Merz nicht. Die Worte „Bundeskanzler“ und „Urlaub“ würden nicht zusammenpassen, sagte Vize-Regierungssprecher Sebastian Hille am Mittwoch auf Nachfrage zu Journalisten. Nur, weil jemand keine öffentlichen Termine habe, hieße das noch lange nicht, dass er gleich die Füße hochlege.

Drei Wochen ist es her, dass sich der deutsche Kanzler zuletzt blicken ließ. Da sagte er flapsig „Schöne Ferien. Tschüss!“, und verschwand, zuletzt verlängerte er seinen „Nicht-Urlaub“ noch um eine Woche. Gelegenheiten, etwas zu sagen oder zu tun, hätte er in der Zwischenzeit aber genug gehabt: die Dürre, die Waldbrände, einen mutmaßlicher Spionagevorfall in Leipzig, dazu ein bevorstehender Wahlsieg der AfD. Von Merz, der seinen Landsleuten gern pauschal übermäßige Faulheit vorwirft („mit Work-Life-Balance und Viertagewoche lässt sich der Wohlstand nicht halten“) und darum zuletzt sogar andachte, ein Attest ab dem ersten Tag Krankenstand zu verlangen, kam dazu aber: nichts.

In China gäb’s das nicht

Kein Wunder, dass der Kanzler sich nun Spott und Hohn anhören muss. Wäre er ein hochbetagter US-Senator oder chinesischer Minister, man müsste sich Sorgen um ihn machen, schrieb der Spiegel ätzend, andernorts wäre eine solche Absenz nur auf schwere Krankheit oder Korruption zurückzuführen. Plötzlich amüsiert man sich auch darüber, dass er im Vorfeld verbreiten hatte lassen, zur Entspannung und Erbauung den DDR-Roman „Das Narrenschiff“ von Christoph Hein und eine päpstlichen Enzyklika zur KI zu lesen.

Schon Adenauer wurde kritisiert

Dass die deutschen Medien sich an seiner Absenz abarbeiten, ist nicht ungewöhnlich. Das hat lange Tradition, schließlich hat ein Kanzler keinen Urlaubsanspruch, irgendwie herrscht die Erwartung, er müsse immer verfügbar sein. Schon in den 1950ern wurden Konrad Adenauers Urlaube am Comer See kritisch beäugt, manch wohlwollende Schreibern kamen ihm aber zu Hilfe: „Während drüben über dem See die Schneegipfel der Bergamascer Alpen im Sonnenuntergang lila leuchten, denkt Adenauer an Eisenhower“, hieß es damals in der Welt.

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Auch Helmut Kohls Urlaube am Wolfgangsee wurden zum PR-Spektakel, das der Region touristisch sicherlich nutzte, ebenso legendär sind Angela Merkels Wanderhosen in Südtirol – ihr wurde allerdings kam je Untätigkeit unterstellt.

Merz hat im Gegensatz zu ihr aber auch mit Beliebtheitswerten zu tun, die als unterirdisch gelten dürfen. Kein Kanzler der Geschichte war unbeliebter als er, nicht einmal sein blasser Vorgänger Olaf Scholz (auch er musste sich Kritik gefallen lassen, als 2024 während seines Urlaubs Milliardenlücken im Haushalt auftauchten).

Angesichts dieser prekären Lage ließ sich der Spiegel zu folgender Diagnose hinreißen: Zumindest könne „ein Kanzler, der gar nichts sagt, sagt auch nichts Dummes sagen.“ Das geht dann erst wieder am heutigen Samstag – da steht der erste Termin in Merz’ Kalender.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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