Kruder & Dorfmeister in der Arena: So wie wir waren

Kultur

Eigentlich wollten wir hier ein bisserl was über Nostalgie schreiben. Schließlich war das Open-Air-Konzert von Kruder & Dorfmeister am Donnerstag in der restlos ausverkauften Arena als „Anniversary-Show“ angekündigt. Stattdessen gab’s zwei Stunden sehr heutige Show mit augenzwinkernden Grüßen aus der Vergangenheit und ohne einen einzigen Regentropfen. 

Einzelne im Publikum entschieden sich dennoch dazu, die angesichts des Gewitters am Nachmittag beim Eingang ausgegebenen Plastikponchos den ganzen Abend anzubehalten. Dafür waren die in ihren schwarzen Anzügen an den Pulten stehenden Herren Kruder & Dorfmeister umso eleganter. 

Nicht einfach Retro

Was sie ablieferten, war weniger Retrospektive, als eine beeindruckend zeitgemäße Performance, die stellenweise fast schon etwas Theatrales hatte. Tolle Visuals, also Bilder und Kurzvideos, dazu ein Sound, der in den Magen fuhr. Nix mit Beserlschlagzeug und Chill-out – von wegen Aufzugmusik, wie weniger Wohlmeinende dem Duo gerne unterstellen. 

30 Jahre ist es also her, dass das Album, das hier nun gefeiert wurde, wie ein Billy-Regal in jedem Wohnzimmer zu finden war. So ähnlich drückte es einmal der verstorbene Musikjournalist Sven Gächter aus. 

3000 Besucher wollten hier mit Sicherheit also auch ein Gefühl feiern, das in der heutigen Politik viel Erfolg hat. Das wohlige Gefühl der Erinnerung an früher, wo bekanntlich alles besser war. Weil man jung und schön und in Besitz von vollem Haupthaar war (sind Kruder & Dorfmeister, soweit man das aus der Weite beurteilen kann, immer noch). 

War Wien früher heutiger?

Weil es in Wien damals, Mitte der Neunziger, als „K&D DJ-Kicks“ veröffentlicht wurde, ganz plötzlich lässig war. Weil Falco also doch kein einmaliger, international erfolgreicher musikalischer Geniestreich gewesen war, wir hatten ja jetzt Kruder & Dorfmeister, deren Wiener Downtempo-Sounds nun auch Madonna oder Depeche Mode haben wollten. 

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Stimmt alles. Und Falco kam dann auch vor. Aber tatsächlich hatte die „K+D Kicks 30 AudioVisual Anniversary Show“, die Donnerstagabend in der Arena ihren Ausgang nahm und von dort weiter nach Deutschland und in die USA reist, nur am Rande mit Rückschau zu tun.

 Statt Downtempo-Sounds gab’s Tanzmusik und jede Menge Zitate aus der eigenen, vor allem aber aus der fremden Musikgeschichte: Beatles, Falco, Bowie, Prince und am Ende auch Depeche Mode. Richard Dorfmeister griff zwischendurch zur Gitarre und sogar zur Querflöte. 

Auf der grünen Wiese

Und es war auch ziemlich egal, ob man einst zu den Erstbesitzern dieses legendären Albums gehört hatte, um das es hier ging. Für die eher visuell veranlagten Leserinnen und Leser: Es handelt sich dabei das Album mit dem wunderschönen Cover, auf dem Peter Kruder und Richard Dorfmeister auf einer grünen Wiese sitzen, Dorfmeister trägt eine sehr fesche braune Lederjacke, und beide schauen so ungewöhnlich vergnügt und freundlich, wie es für junge Menschen damals fast schon uncool war.

Obwohl, so jung waren die beiden damals auch nicht mehr. Das Publikum Donnerstagabend, soweit das im Finstern auszumachen war, auch nicht. Macht aber nichts. Die schon länger Erwachsenen können unter Umständen besser feiern als die erst seit kurzem Erwachsenen. Darüber, dass man jetzt  auch schon in der Arena gesiezt wird, sah man tapfer hinweg. 

Mineralwasser

Gut, ja, kann sein. dass manches ein bisschen ähnlich klang. Geschenkt. Ob das jetzt Trip-Hop, Dub, Jazz, Elektronik …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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