Radarkameras mit russischen Teilen: Angst vor Spionage in Slowakei

Politik

Statt Raser zu erkennen, sorgen in der Slowakei Radarkameras für eine sicherheitspolitische Debatte. Die Regierung hatte insgesamt 279 Verkehrskameras des Typs Nero R-One angeschafft. Sie sind Teil eines 30 Millionen Euro teuren Pakets zur Modernisierung der slowakischen Verkehrsüberwachung. 

Auslöser der Debatte war die oppositionelle Partei „Progressive Slowakei“. Sie hatte Anfang August Zweifel an der Herkunft der Kameras geäußert. Die Geräte wurden im Westen des Landes getestet und sollten künftig Geschwindigkeitsverstöße automatisch erfassen, doch bei ihrer technischen Überprüfung tauchten Sicherheitsbedenken auf: Über die Kameras könnten russische Dienste slowakische Bürger ausspähen.

Zunächst wies das Innenministerium die Vorwürfe zurück. Die Kameras waren von dem slowakischen IT-Unternehmen Soitron geliefert. Nach den vorliegenden Unterlagen stammen sie von einem Unternehmen auf Zypern.  Sie sollen ordnungsgemäß zertifiziert und den geltenden Sanktionen gegen Russland entsprechen.

Das Ministerium ließ die Geräte daraufhin vom Nationalen Sicherheitsamt NBÚ untersuchen. Die Behörde stellte fest: In den Kameras sind technische und softwareseitige Übereinstimmungen, die zu einer technisch verwandten russischen Produktreihe aus St. Petersburg führen.

Mögliche Hintertür für Fernzugriffe

Besonders riskant sind laut den Sicherheitsbehörden verschiedene Möglichkeiten eines Fernzugriffs. Die Untersuchung ergab demnach Funktionen, über die der Betreiber nicht die vollständige Kontrolle hat.

In der Software soll eine sogenannte Backdoor vorhanden sein. Darüber könnten die Kameras Informationen empfangen. Die über SMS übermittelten Inhalte können der Analyse zufolge von der Kamera als Code interpretiert und ausgeführt werden. Damit besteht grundsätzlich die Möglichkeit, dass über diesen Weg Befehle an das Gerät übermittelt werden.

Für Michal Simecka, den Parteichef der Progressiven Slowakei, handelt es sich um „das schlimmste mögliche Szenario, die größte Bedrohung für die Sicherheit der Slowakei“, berichtet die Tagesschau. Seiner Einschätzung nach könnte die russische Seite jederzeit kontrollieren, was die Kameras überwachen und welche Bilder sie erfassen. Dadurch könnten slowakische Bürger ausgespäht werden – „ohne dass die slowakischen Netzbetreiber davon auch nur etwas wissen“.

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Die Sicherheitsbehörde warnt ebenfalls vor einer potenziellen Cyberbedrohung. Ein tatsächlicher Angriff auf die Kameras oder ein konkreter Abfluss von Daten nach Russland wurde bislang jedoch nicht öffentlich festgestellt. Auch ist damit nicht belegt, dass die Geräte tatsächlich von russischen Akteuren ferngesteuert wurden.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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