Ein neuer Ermittlungsbericht: Benko war Alleinherrscher bei Signa

Wirtschaft

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) hat einen brisanten Zwischenbericht der Soko Signa erhalten, der die Entscheidungsstrukturen im Signa-Imperium detailliert darstellt. Im Zentrum: René Benko als faktischer Letztentscheider – insbesondere bei der Kapitalerhöhung (KEH) der Signa Holding im Juni 2023, die die Signa retten und die finanzierenden Banken beruhigen sollte.

Der Bericht, der auf ausgewerteten eMails und zwei Einvernahmen basiert, belegt: Benko führte die Verhandlungen zur geplanten Kapitalerhöhung in Höhe von 350 Millionen Euro persönlich, obwohl er keine offizielle Funktion in der Holding innehatte. Die Ermittler werteten Tausende eMails aus den Accounts der Signa IT aus.

Der Suchbegriff „Benko“ ergab 1,73 Millionen Treffer, der des Signa-Managers Manuel P. 2,22 Millionen Treffer und der des Controllers Arthur A. 1,59 Millionen Treffer. Daraus filterten die Ermittler die Kommunikation, die den „grundsätzlichen Entscheidungsablauf“ dokumentiert.

Binnen weniger Minuten

Am 21. Juni 2023 verschickte Benko binnen weniger Minuten die Rahmenvereinbarung zur Kapitalerhöhung direkt an die Gesellschafter: an Fressnapf-Eigentümer Torsten Toeller (7.32 Uhr), an Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer für die Privatstiftung von Hans Peter Haselsteiner (7.39 Uhr) und an die Ameria Invest AG der Familie Arduini (7.45 Uhr). Die Geschäftsführer der Signa Holding traten dabei nicht in Erscheinung.

Auch ein Mitarbeiter vom Schweizer Investor Eugster/Frismag wurde von Benko persönlich kontaktiert. Am 26. Juni bedankte sich Benko bei ihm und forderte die Einzahlung mit Valuta 29. Juni.

In einem weiteren Mail behauptete Benko, dass die Unterschriften der Investoren Eugster, Tanner und der Haselsteiner Stiftung bereits vorliegen. Laut WKStA soll Benko „die Investments der getäuschten Gesellschafter zum Teil durch Überweisungen über mehrere Unternehmen hinweg schlussendlich als seinen eigenen Beitrag (35,35 Millionen Euro) zur Kapitalerhöhung ausgegeben haben“. Was dieser bestreitet.

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Indes sagte der Signa-Controller als Zeuge auch aus: Benko habe „immer bis zum Schluss den Daumen draufgehabt“ und „zu 99 Prozent die Entscheidung getroffen, woher das Geld kommen sollte“. Auf die Frage, welche Position Benko hatte, bezeichnete Arthur A. ihn als „Alleinherrscher“. Bei Entscheidungen bei der Signa Holding mussten sich die Geschäftsführer mit Benko absprechen. „Es war gelebte Kultur“, sagte Zeuge A. aus.

Faktisch Alleinherrscher

Auch Karin F., Stiftungsvorständin der Familie Benko Privatstiftung (FBPS) und als Beschuldigte vernommen, bestätigte: „Entscheidungen mit Blick auf die FBPS wurden ausschließlich durch Benko getroffen.“ Es sei „praktisch gar nicht“ denkbar gewesen, dass ein Vorhaben Benkos vom Stiftungsvorstand abgelehnt worden wäre. Als Stifterwille galt der Wille Benkos. Bei der Kapitalerhöhung im Juni 2023 sollte die FBPS 35,35 Millionen Euro einbringen. Das Problem: Die Stiftung hatte das Geld nicht. Die Lösung: eine Kreditkette. Laut F. soll sie Benko angerufen und nach der Finanzierung gefragt haben. 

Benko soll gesagt haben: „Mach dir keine Sorgen, das Geld wird bereitstehen.“ Tatsächlich wurde am 29. Juni 2023 zunächst mündlich ein Kredit zwischen der Signa Development Selection Beteiligung GmbH und der Laura Finance Holding über 35,35 Millionen Euro vereinbart. Parallel dazu ein weiterer Kredit zwischen der Laura Finance Holding und der FBPS über denselben Betrag. Die Rückzahlung sollte laut F. „über Veranlassung von Benko von der Laura Privatstiftung“ erfolgen. Initiator für die Verträge soll Manager P. gewesen sein, Benkos engster Vertrauter, der A. mit der Erstellung beauftragte.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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