Sparen beim Uni-Budget: Meduni-Rektor warnt vor „strategischem Rückschritt“

Politik

Der Rektor der Medizinischen Universität Wien, Markus Müller, warnt aufgrund der drohenden Einschnitte im Universitätsbudget vor einem „strategischen Rückschritt“. Sollte die Regierung ihre derzeitigen Pläne für 2028 bis 2030 beibehalten, würde man auf das Niveau von Mitte der 2000er Jahre zurückfallen, so Müller im APA-Gespräch. „Wenn es so bleiben sollte, müssen wir uns Anfang nächsten Jahres Gedanken über – sagen wir es einmal so – gravierende Effizienzmaßnahmen machen.“

Die Universitäten werden zum größten Teil über dreijährige Leistungsvereinbarungen finanziert. Wie hoch der Betrag für die Jahre 2028 bis 2030 ausfallen wird, muss bis Ende Oktober feststehen. Nach Protesten gegen einen Entwurf aus dem Wissenschaftsministerium, der sogar nominelle Kürzungen vorgesehen hatte, wurde eine Entscheidung vertagt. Zunächst wurde mit einem Fortschreiben des derzeitigen Budgets reagiert, allerdings muss das Ministerium in seinem Bereich allein für 2028 190 Mio. Euro einsparen. Außerdem müssen die Unis rund 100 Mio. Euro an Ärztegehältern pro Jahr, die bisher größtenteils vom Bund bezahlt wurden, selbst tragen. Ende Juni stellte Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) dann ein „moderates“ Plus in Aussicht.

„Wir waren vor 20 Jahren nicht konkurrenzfähig, wir sind es seit kurzem“

Seither habe man nichts mehr gehört, meinte Müller. Auch über eine geplante Regierungsklausur zu dem Thema wisse man noch nichts Konkretes. „Es war Strategie mehrerer Bundesregierungen seit ca. 2010, Österreich bei der Universitätsfinanzierung international auf ein akzeptables Niveau zu bringen. Wir waren vor 20 Jahren nicht konkurrenzfähig, wir sind es seit kurzem.“ Die derzeitigen Regierungspläne würden jedenfalls ein Abweichen von einem mittlerweile 15-jährigen erfolgreichen Weg bedeuten.

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An der Medizin-Uni werde man im Fall von Einsparungen voraussichtlich schon Anfang des Jahres 2027 entsprechende Maßnahmen setzen müssen, so Müller. „Man muss sich eine Universität wie einen großen Tanker vorstellen: Wenn Sie den Motor abschalten, fährt er eine Zeit weiter. Umgekehrt ist es aber auch so: Ein Bremsweg dauert recht lange.“

90 Prozent des Budgets fließen in Personal

„Spezialproblem“ für die Medizin-Unis: Mit dem Betrieb der Universitätskliniken würden sie zusätzlich zu Lehre und Forschung noch enorme operative Aufgaben in der Patientenversorgung haben, betonte Müller. Die Medizin-Uni Wien sei sehr personallastig, ca. 90 Prozent des Budgets fließen in diesen Bereich.

„Die Rechnung ist sehr einfach: Wir stellen 1.700 Ärzte für den Betrieb des AKH, das ist das gesamte ärztliche Personal“, meinte Müller. Nach derzeitigem Stand müsste die Medizin-Uni real rund 14 Prozent einsparen – wenn man dies über alle Bereiche gleichzeitig durchführe, ergäbe sich ein Minus von rund 200 Vollzeitäquivalenten. „Ich würde mich sehr freuen, wenn die Zahlen am Ende des Tages andere sind. Die informellen Signale, die wir derzeit bekommen, sind aber so, dass da wenig Fantasie besteht.“

„Absurde“ Diskussion über Studienplätze

Dementsprechend „absurd“ ist für Müller auch eine neuerliche Diskussion um eine Ausweitung der Medizin-Studienplätze. Die Anfänger-Plätze an den öffentlichen Unis seien zuletzt auf politischen Druck hin auf knapp 2.000 ausgebaut worden. Inklusive Privatunis komme man sogar auf rund 2.400 Plätze. Im zehnmal größeren Deutschland gebe es dagegen nur 12.000 Studienplätze. Auch wenn man einzelne Unis vergleiche, ergebe sich ein ähnliches Bild: Die Medizin-Uni Wien als größte Einrichtung in Österreich biete derzeit 704 Humanmedizin-Studienanfängern Platz, inklusive Zahnmedizin sind es …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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