Macron-Nachfolge: Raphael Glucksmann steigt ins Rennen ein

Politik

Raphaël Glucksmann hat sich gut auf diesen Fernsehauftritt vorbereitet, das ist ihm anzusehen. Während er sich sonst oft verhaspelt, weil er so viel gleichzeitig sagen will, spricht der französische Sozialdemokrat nun betont klar und ruhig. Sein übliches weißes Hemd, das er gerne oben aufknöpft, hat er gegen einen dunklen Anzug mit schwarzer Krawatte ausgetauscht. Es ist das seriöse Auftreten eines Politikers, der zeigen will, dass er präsidentschaftstauglich ist und sein Land bestens nach außen vertreten kann.

Ja, versichert der 46-Jährige am Sonntag in den Abendnachrichten des Privatsenders TF1, er trete bei der französischen Präsidentschaftswahl im Frühjahr 2027 an. Er wolle „Frankreich wieder aufrichten“ und das Land „nicht den Rechtsextremen überlassen“. Die Rechtspopulistin Marine Le Pen führt die Umfragen an.

Somit befindet sich Glucksmann offiziell im Rennen um die Nachfolge von Emmanuel Macron, der nach zwei Amtszeiten in Folge abtreten muss. Mehrere Bewerber aus Macrons Mitte-Lager, darunter zwei Ex-Premierminister, sowie der Chef der Republikaner machen ebenfalls bereits Wahlkampf.

Glucksmann wiederum ist der Hoffnungsträger für viele moderate Linke. Als klares Zeichen für seine Ambitionen konnte bereits gewertet werden, dass ihn die Boulevardzeitung „Paris Match“ zuletzt beim Urlaub auf Korsika mit seiner Lebensgefährtin, der Star-Moderatorin Léa Salamé, zeigte. „Paris Match“ einen Einblick ins Privatleben zu gewähren, gilt als eine Art Pflichtstation für Präsidentschaftkandidaten in Frankreich. Salamé kündigte nun an, sich vorerst als TV-Nachrichtensprecherin zurückzuziehen.

Doch als nächsten Schritt muss der EU-Abgeordnete die Vorherrschaft im linken Lager erreichen. In Umfragen liegt er bei gut zehn Prozent und damit deutlich hinter Jean-Luc Mélenchon von der Linksaußen-Partei „La France Insoumise“ (LFI). Glucksmann betont, dass es mit ihm keine Allianz mit LFI gebe, wie sie 2024 bei den Parlamentswahlen gemeinsam mit den Sozialisten, Grünen und Kommunisten noch zustande kam.

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Bei einem Wahlkampfauftritt hatte Mélenchon über die Aussprache des Nachnamens von Glucksmann, der jüdische Wurzeln hat, gespöttelt. Das bestärkte die Vorwürfe gegen den Linkspolitiker, antisemitische Ressentiments zu schüren und zu polarisieren. Der 75-Jährige gilt trotzdem als begnadeter Redner und ließ sich erst am Wochenende von 10.000 Anhängern bei einem Wahlkampfauftritt bejubeln. Beide Männer werben massiv um die Gunst der Grünen.

Die letzte Entscheidung über Glucksmanns Kandidatur wird bei Vorwahlen im Oktober fallen, die unter anderem von den Sozialisten organisiert werden, an denen sich Mélenchon hingegen nicht beteiligt. Für eine mögliche Kandidatur bereitet sich unter anderem auch Ex-Präsident François Hollande vor.

Glucksmann hält sich zugute, ein politischer Quereinsteiger zu sein, in Frankreich eine Seltenheit. 2018 gründete der Sohn des Philosophen André Glucksmann mit Gesinnungsgenossen die sozialdemokratisch ausgerichtete Partei „Place Publique“, über die er 2019 und 2024 ins Europaparlament einzog. Zuvor war er als Journalist und Dokumentarfilmer tätig, realisierte unter anderem Filme über die Rolle Frankreichs beim Völkermord in Ruanda und über die Orangene Revolution in der Ukraine. Mehrere Jahre lang beriet er den georgischen Ex-Präsidenten Michail Saakaschwili. Als EU-Abgeordneter baute er sich dann ein starkes außenpolitisches Profil auf.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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